Ergänzung zum Ferienparadies Ungarn -- zur Burg in Buda in der Zeit weitergeschrieben
Ergänzung zum Ferienparadies Ungarn – eine weitere Stadt, ein weiterer Stadtteil (Esztergom, Buda)
Und weitergeschrieben in der Zeit: Der erste Teil des Texts stammt aus dem Jänner 2024, im zweiten Teil wird nach der Veränderung durch Teilfertigstellung und neuer Regierung aus dem Mai 2026 erneut auf die Burg in Buda geblickt.
Esztergom
Das Motiv ist das gleiche – unmäßige Größe, die einzig in zeitweiser Verwendung stehen kann. Was das unmäßig Große in Esztergom ist, ist nicht schwer zu erkennen. Es ist die Kirche. Wenn in einer Stadt mit circa 28.000 Einwohnern die 18. größte Kirche der Welt steht (und die größte des Landes), dann kann das Verhältnis nicht stimmen. Wenn diese Kirche zusätzlich noch auf einem Berg steht, der über Stadt und Donau ragt (ins Nachbarland, Slowakei) hinüber, dann erst recht. Man könnte die Motive des Ferienparadieses wiederholen: Kirche und Stadt sind für andere gebaut, die Größe geht über eine alltägliche Verwendbarkeit hinaus. Interessanter ist es aber über die Maßlosigkeit der Kirche, beziehungsweise über ihre (Nicht-)Einbindung in die Stadt zu schreiben; also darüber, woran in diesem Fall die Maßlosigkeit und das Ferienparadies erkannt werden kann.
Baut man auf dem Gipfel eines Berges ein Gebäude, ist der verfügbare Platz durch das Gelände beschränkt, man kann keine beliebig große Kirche bauen. Wenn das einzige Ziel der Gestaltung der Kirche zu sein scheint, eine möglichst große Kirche zu bauen, ergibt sich aus der Situation ein Problem. Der verfügbare Platz kann nicht für eine gute Verwendbarkeit, ästhetische Erscheinung oder städtebauliche Einbindung ausgenutzt werden; alles muss für die Kirche verwendet werden, dass diese möglichst groß wird.
Das bedeutet, dass die Kirche den Berggipfel vollständig ausfüllt. Es gibt keine Möglichkeit einer architektonischen Verbindung in die Stadt oder auch nur einer infrastrukturellen (also wie man zu der Kirche gelangt). Der zweite Punkt muss allerdings gelöst werden, denn irgendwie muss man (gerade zur größten Kirche) gelangen. Die Lösung ist das Bauen einer gigantischen Rampe, die auf die Fassade der Kirche hinführt. Der verfügbare Raum wird künstlich vergrößert.
Die Rampe kann allerdings nicht im luftleeren Raum sein, sondern muss als Verbindung zwangsläufig in die Stadt führen, oder besser gesagt durch einen Platz. Als städtischer Platz ist er an seinen Rändern verbaut, mit zur Kirche dazugehörenden Prunkgebäuden. Die Rampe muss allerdings einen derartigen Höhenunterschied überbrücken, dass sie zu einer Höhe führt, die ähnlich der Höhe der Häuser ist. Die Häuser blicken auf die Rampe wie auf eine Mauer, genauso wie es für einen Mensch auf der Straße unmöglich ist den Platz zu überblicken. Der Platz ist durch enorme Höhenunterschiede geprägt, dass man kaum von einem zusammengehörenden Platz sprechen kann. Die Rampe zerteilt den Platz und trennt alles von der Kirche ab, bzw. die Kirche vom Rest.
Die Kirche ragt aus allem heraus und wird ohne Rahmen maßlos groß, in nichts eingebunden hat sie keine Proportion und erscheint in ihrer Größe einzig lächerlich; bzw. sie ernst nehmend als brutales Herrschaftszeichen: Wie die Macht von Kirche und Staat (hier in erster Linie der Kirche) die Größe der Kirche festlegt oder besser gesagt den maximalen Raum nimmt, so setzt die Macht durch das architektonische Erscheinungsbild den Herrschaftsanspruch an den Einzelnen, als hierarchisch autoritäre Verordnung mit Allmachtsanspruch. Der ganz konkrete Preis dafür ist eine Rampe, die um die Verwendbarkeit der Kirche sicherzustellen, jede Einbindung in die Umgebung unmöglich macht, die Umgebung zerstört und damit das Einbinden der Kirche in die Umgebung und so Begrenzung und Maß verhindert.
Nicht nur in ihrer Unverwendbarkeit (durch den Kontext, dass die 18. größte Kirche nicht verwendet werden kann) wird die Kirche zum Ferienparadies, sondern auch durch ihre eigene architektonische (Un-)Gestaltung.
Ein klassisches Beispiel für das Ferienparadies (als Bauen für andere) findet sich in Esztergom in der Suzuki-Autofabrik. Bereits 1991 wurde die Fabrik gegründet und beschäftigte zu ihrem Höhepunkt (2007) 6500 Menschen. Und das in einer Stadt mit circa 28.000 Einwohnern. Die Beschäftigten werden aus der ganzen Region gekommen sein, trotzdem zeigt die Zahl die enorme Größe der Fabrik, die das Maß unmittelbarer Verwendbarkeit übersteigt. Wie der Arbeitgeber mit der Situation umgeht, also an seine Arbeitskräfte gelangt, ist sein Problem. Andersherum entsteht aus der Zahl eine enorme Abhängigkeit von einem Arbeitgeber und die Folgen von Entscheidungen zur Reduktion von Angestellten müssen unangenehm sein (inzwischen arbeitet in der Fabrik nur ein Bruchteil der Beschäftigten). In der unverwendbaren Größe wird es wenige Alternativen und so eine dominierende Position des einen Arbeitgebers auf dem regionalen Arbeitsmarkt geben: Ausgeliefertheit mit all ihren Folgen.
Das Schaffen maßloser Größe ist als Notwendigkeit der Politik zu sehen in der wirtschaftlichen Katastrophe des Systemwechsels nicht vollständig in Wettbewerbslosigkeit zu versinken. Die Suzuki Fabrik wurde durch konkrete Unterstützung und Intervention der ungarischen Regierung gegründet. Am lokalen Suzuki Tochterunternehmen, das die Fabrik betreibt, beteiligte sich die ungarische Regierung, also öffentliches Geld zog private Investition an, ermöglichte und rief die übergroße Fabrik hervor. Die Beteiligung bedeutet natürlich nicht, dass konkreter Einfluss auf die Geschäftsentwicklung genommen werden könnte, quasi als Fortführung staatlich kontrollierter Wirtschaft. Die Beteiligung kann nur als Subvention im Versuch gesehen werden, dass die Fabrik nicht im nächsten Land eröffnet. Der Gründungsprozess in seiner Ausgeliefertheit führt zur Größe der Fabrik, die die Ausgeliefertheit nur fortsetzt.
Mit der Not durch Intervention die Wettbewerbsfähigkeit auf irgendeine Weise sicherzustellen, werden die Nachteile der übergroßen Fabrik und der Zentrierung auf einen Arbeitgeber in Kauf genommen, sie sind notwendiger Bestandteil derartiger Konzentration. In der Größe der Fabrik – als klassisches Beispiel des Ferienparadieses – zeigt sich der ambivalente Charakter des Ferienparadieses.
Buda
Eine fixe Idee der Orbán Regierungen ist die architektonische Rückgestaltung Budapests (oder zumindest ausgewählter Teile) auf einen imaginierten Zeitpunkt der späten Monarchie oder der Horthy-Zeit. Das drückt sich in Statuen, in der Verwendung von Häusern aber auch einer Rekonstruktion des Burgviertels in Buda aus. Sozusagen die Zerstörungen der sozialistischen Zeit sollen rückabgewickelt werden, anders gesagt die Säkularisierung aristokratischer Gebäude durch den Sozialismus aufgehoben werden. Die sozialistische Regierung verlegte ihre Ministerien aus der Burg heraus: der Ministerpräsident hatte sein Büro im Parlament, die Partei ihr Büro im Haus daneben. Die Burg wurde zum Museum bzw. zur Bibliothek.
Der Palast selbst, also der (nie verwendete) Sitz des Königs kann wohl nicht ohne weiteres wieder in politische Verwendung genommen werden; das könnte nur als antidemokratische Geste verstanden werden. (Das bedeutet nicht, dass es zu einem späteren Zeitpunkt nicht doch zu einer entsprechenden Verlegung kommt.) Trotzdem verlegte Orbán den Sitz des Ministerpräsidenten in den Burgbezirk, nur zwei Häuser weiter, direkt neben den Palast des Staatspräsidenten, der der traditionelle Sitz des Ministerpräsidenten war.
In dem politischen Umzug nicht genug, sondern es werden auch im Krieg zerstörte Gebäude wiederaufgebaut. Der Platz neben dem Palast wird im Moment mit zwei Gebäuden verbaut: Das ehemalige Kommandogebäude der Honvéd (also die Nationalgarde der ungarischen Reichshälfte) und das Palais von Erzherzog Josef Karl Ludwig (aus der ungarischen Linie der Habsburger aber ohne Staatsamt).
Das absurde der Situation ist der Wunsch der Rekonstruktion selbst. Wenn man wünscht eine knappe Fläche zu verbauen (wie das in der Burg der Fall ist), könnte man denken, dass mit aktuellen Plänen und architektonischen Gestaltungen aktuellen Bedürfnissen besser entsprochen werden kann. Bei dem Wunsch der Rekonstruktion handelt es sich selbstverständlich auch um ein aktuelles Bedürfnis: das reaktionäre Bedürfnis der Fidesz-Regierung sich in imaginierte Vergangenheit zurückzuversetzen. Damit hängen aber keine Überlegungen von architektonischer Verwendbarkeit durch den einzelnen zusammen. Das Haus als Fassade ist einzig Ausdruck politischer Aussage, die die Orientierung an einem früheren Zustand der Gesellschaft bedeutet.
Da niemand die finanziellen Mittel für eine tatsächliche Rekonstruktion aufbringen kann, sind Rekonstruktionen historischer Gebäude üblicherweise aktuelle Gebäude. Beton wird zusammengegossen. Im Fall der Rekonstruktion wird nicht die beliebige Fassade des Neubaugebietes darangeklebt, sondern die beliebige Fassade des historischen Gebäudes. Und fertig ist das rekonstruierte Haus. In der standardisierten Herstellungsweise wird es vollständig austauschbar: in einem identischen Bauprozess könnte auch ein ganz anders aussehendes Haus entstehen. Dass Rekonstruktion nur Fassade bedeutet, ist ein weiterer Hinweis auf den Prozess, der zu einer ausgedachten Vergangenheit zurückführen soll – vielmehr ist er etwas, das nicht nur in der Bautechnik ganz aktuell in der Gegenwart stattfindet.
Später wird die moderne Konstruktion nicht mehr erkennbar sein, der Historismus das aktuelle Bauen überdeckt haben. Doch jetzt während der Bauphase tritt die Brutalität des Betons voll hervor. Zeigt auf eine zweite Art die Absurdität der Rekonstruktion, indem in der adretten Umgebung der Burg Sichtbetongebäude stehen.
Ergebnis wird sein, dass mit der Burg ein Gebiet entsteht, das an Bedürfnissen und Verwendbarkeit vorbeigeht. Die Gestaltungsziele der Burg sind politisch und um kitschige Wünsche von Touristen zu erfüllen, einen Themenpark für andere zu gestalten. Jeweils geht es um Fassade. In der Kombination entsteht aus dem Burgviertel ein ungarisches Ferienparadies.
Jetzt während der Bauphase liegt der fiktive Charakter des Blicks zurück offen, zeigt den Orbán Beton Barock. Beinahe könnte man sich wünschen, dass der ungarische Staat Pleite geht, dass es bei den unvollendeten Betonskeletten bleiben muss; bevor die historistische Verschleierung einsetzt.
Weitergeschrieben
Inzwischen hat sich in Ungarn so einiges geändert. Seit Jänner 2024 sind nicht nur einige der wiedergebauten Häuser am Burgberg fertig geworden und sogar auch in Verwendung genommen worden, sondern inzwischen ist das beinahe unvorstellbare Ereignis eingetreten, dass die Fidesz Regierung abgewählt wurde, nicht mehr Victor Orbán Ministerpräsident ist, sondern Péter Magyar.
Fertig wurde das ehemalige Finanzministerium, das seine beiden Türmchen wiederbekam und somit eine neue alte Fassade, und die ehemalige Zentrale des Roten Kreuzes, die als Stahlbetonbau vollständig neu wiedererrichtet wurde. Da in der letzten Phase der Orbán Herrschaft das Finanzministerium mit dem Wirtschaftsministerium zu einem ‚Volkswirtschafts-Ministerium‘ zusammengelegt war, bekam das Gebäude als Innenministerium, das unter Orbán ebenfalls ein Ministerium mit umfassender Aufgabenstellung war (von Polizei zu Schule und Gesundheitssystem), eine andere Veränderung. Die Zentrale des Roten Kreuzes wurde vom Minister, der das Kabinett des Premierministers leitete, verwendet – die Aufgabenstellung dieses Ministerium kann auch als Propaganda bezeichnet werden.
Mit der Abwahl der Fidesz Regierung wurden beide Gebäude (gemeinsam mit dem Amtssitz des Premierministers im benachbarten und ebenfalls umgebauten ehemaligen Karmeliter-Klosters) sofort zum Symbol für die dekadente Amtsführung und Entfernung von der Bevölkerung durch Fidesz. Der neue Premierminister machte sich zum Fremdenführer und zeigte zuerst in Youtube-Videos dann in öffentlichen Führungen das Innere der Gebäude. Das Aussehen des Karmeliter-Klosters war mehr oder weniger bekannt, dieses zeigte bereits Orbán in seinen zahlreichen Videos her. Aber wie es in den anderen beiden Gebäuden konkret aussah, war eine Überraschung. Sowohl für die Öffentlichkeit als auch für die neuen Amtsträger, die wie Kinder ihr neues Haus entdeckten und Raum für Raum neuen Wundern und Unglaubwürdigkeiten begegneten.
Der überdachte Innenhof des Rotkreuz-Haus ist eine Eisenkonstruktion, die begrünt ist. Begipfelt ist das Haus von einem Restaurant, das zu einer Dachterrasse führt, die einen Blick über die ganze Stadt öffnet. Das Haus ist vollständiger Neubau, der in seiner Rekonstruktion offensichtlich nicht an der Fassade aufhörte, sondern auch die Eisenkonstruktion des Innenhofes zumindest im Aussehen (wenn auch kaum in der Konstruktion) erneut baute. Im Historismus der Jahrhundertwende verbindet sich die an frühere Zeiten erinnernde und konventionelle Fassade schon mit moderner Technik, dass das Haus mit einer modernen, und sichtbaren, Eisenkonstruktion gebaut ist. Diese wilde Mischung des Historismus, gesteigert in den ungarischen Eklektizismus, führt sich in das erneute Aufbauen fort. Denn neben das Rekonstruierte wird eine aktuelle Vorstellung an Luxus gesetzt, und zwar nicht in der Bautechnik verborgen, sondern offensichtlich. Dem originalen Plan des Innenhofs wird eine Begrünung hinzugefügt und er mit gläsernen Wänden zu den Büros aufgebrochen – das Stiegenhaus bekommt einen eckiggeschwungenen goldenen Handlauf. Die Mischung ist so als ob ein bestehendes altes Haus umgebaut und weitergebaut wurde, nur dass die Zeitmischung gleichzeitig gebaut wurde. Natürlich mit dem einen Ziel, Luxus und Repräsentativität zu erreichen – und da betrachtet man noch gar nicht die Inneneinrichtung.
Beim Finanzministerium ist die Angelegenheit nicht so eindeutig vermischt: Es ist kein vollständiger Neubau, so können Teile, nicht nur der Innenausstattung, auch originale sein, bzw. Ergebnisse früherer Rekonstruktionen sein. Ergebnis ist aber auch hier, dass ein Haus im Protzstil der ungarischen Jahrhundertwende entsteht. Kein Millimeter, der nicht überdekoriert wäre, der nicht eine Farbe oder einen Schnörkel oder eine Abbildung erhalten hätte. Ein Haus in prächtiger Anlage und Dimension, wo dann das Ministerbüro quasi die ganze Front einnimmt. Ob zurückgeführt dazu, oder schon so gewesen, dass eine Regierung sich in ein derartiges Gebäude wünscht, ist einzig größenwahnsinniger Anspruch. So als ob Ungarn jetzt in der Situation wäre, in der es in der Monarchie war, so als ob jetzt Regierung einen derartigen Repräsentationsanspruch einnehmen müsste, wie in einem semiabsolutistischen System, so als ob das politische System jetzt wie damals wäre. Ist es zwar nicht, aber sollte es vielleicht sein. Nicht nur um den Ansprüchen der eigenen Bequemlichkeit zu entsprechen, wurden die Gebäude gebaut, sondern als nichts anders als eine ideologische Aussage können sie verstanden werden – Rückimagination der Gebäude der halbfeudalistischen Vergangenheit ist Wunsch nach dem entsprechenden politischen System.
Nur wie die damaligen Herrn das Pech hatten, dass ihr System den Ersten Weltkrieg nur halb überlebte, und den Zweiten Weltkrieg dann gar nicht mehr, in dem auch ihre Herrschaftsgebäude am Burgberg beschädigt oder zerstört wurden, so haben jetzt die Herrn der Orbán Regierung das Pech, dass sie ihre neuen Gebäude nicht sonderlich lange verwenden konnten. Für dynastische Unendlichkeit erbaut und für die absurde Verwendung als betonernes Wahlprogramm ausgerichtet, steht man jetzt vor dem Problem, wie mit den größenwahnsinnigen und unbrauchbaren Gebäuden umgehen. Der Regierungswechsel führte das architektonische Programm von Rekonstruktion und wohl Historismus allgemein vor, dass in der gesteigerten Aufmerksamkeit auf stilistische Aussage – also einer ideologischen nicht architektonischen Aussage – die Verwendbarkeit nebensächlich wird. Nachdem die historistische Fassade das entlarvende Betonskelett verdeckt hat, führt jetzt zur Offenlegung dieses Charakters das Verwendungsproblem.
Als Optionen bieten sich jetzt Optionen, die sich schon nach dem Ersten Weltkrieg mit aristokratischem Besitz boten: die Schlösser zu Sozialeinrichtungen. Das sogenannte Propagandaministerium soll zum Sozialministerium werden und somit symbolisch einem Bereich, der unter Orbán weniger Zuwendung bekam, mehr Stellenwert gegeben werden. Das Finanzministerium wird wohl Innenministerium bleiben, da der Sitz des Innenministeriums inzwischen verkauft ist (Schlösser bleiben Amtssitze – aus Pragmatismus oder Fortführung des Repräsentationsbedürfnis weiß man nicht). Was mit dem Amtssitz Orbáns selbst passieren wird, ist noch nicht klar. Angekündigt ist ein offener Prozess, um eine Nachnutzung zu finden (Schlösser werden zu Leerstand, Museen oder anderen Kultureinrichtungen, oder).
Problematisch ist dann nur noch, dass der neue Premierminister keinen grundsätzlichen Einwand gegen den Wiederaufbau hat. Im Gegenteil, die Gebäude und ihr Stil scheinen ihm sogar zu gefallen. Kein Wort wird entsprechend über einen Abbruch des Umbauprozesses verloren, oder auch über die ideologische Ausrichtung von diesem. Das Problem, das Magyar damit hat, ist einzig der Kontrast, der sich aus den enormen Kosten, die der Wiederaufbau verschlang, ergibt. Solange es einem Land schlecht geht, geht es nicht, dass die Regierenden sich derartige Paläste bauen. Umgekehrt bedeutet das, dass sollte es Wirtschaftswachstum geben, die Eisenbahn, die Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Polizei, Verwaltung, Justiz, Kultur, und sonst alles, was Staat und Gemeinden als Verwaltung anzubieten haben, funktionieren, es okay wäre, würden sich die Minister entsprechend schöne Gebäude bauen. Wie gemeint wurde, in der Schweiz wäre es okay, wenn auf derartige Weise und Luxus Ministerien gebaut werden, aber nicht im ärmsten Land der EU, in Ungarn. Hinzufügt Magyar noch, dass der Wiederaufbau auch wirklich authentisch sein sollte. Das würde bedeuten, dass die Anpassung an die Bedürfnisse der Gegenwart noch geringer ausfallen würde. Authentizität senkt den Aspekt der Verwendbarkeit weiter, im Gegensatz zur ideologischen Aussage – im richtigen Aussehen der Vergangenheit kann nicht viel anderes bleiben als das Lob dieser Vergangenheit.
Tja, das ist dann die Ankündigung der Fortsetzung des Landes als Ferienparadies, wo auf eine Art gebaut wird, die an aktuellen Bedürfnissen vorbeigeht, bzw. Gebäude vorrangig als ideologische Aussage sieht und somit Zwang ausgeübt wird, oder Fassaden als Touristenziele gebaut werden, womit dann wirklich das Gestalten der Stadt zur Gestaltung für andere auf Zeit wird. Das Neubauen historischer Gebäude kann zu keinem anderen Ergebnis führen als dem Ferienparadies.
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