Medienrundschau 1: Der Spreizer


Der Spreizer, 30.11.2020

Razzia in der Unterwelt

Großteils verborgen vor einer größeren Öffentlichkeit soll der Wiener Polizei ein größerer Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen sein. Der Schmetterling berichtete, dass seit der Razzia, die Anfang November stattgefunden hat, der einschlägig bekannte Unternehmer Herbert K. verschwunden ist. K.s, in der Szene als Zuckergoscherl bekannt, Lokale sind seitdem geschlossen und weder bei der Polizei noch in der Szene sind Informationen über K. zu bekommen. Die Polizei verweist auf die laufenden Ermittlungen will aber nächste Woche in einer Pressekonferenz über die neusten Ermittlungserfolge die Öffentlichkeit informieren. Doch auch bei dieser Pressekonferenz wird die Polizei nicht über die Verhaftung von K. berichten können, denn selbst im Innenministerium wird davon ausgegangen, dass K. kurz vor der Razzia sich ins Ausland absetzte. Die Vermutung liegt nahe, dass eine undichte Stelle in der Polizei die seit längerer Zeit geplante Aktion verriet. Unsere Quelle im Ministerium wollte diese Sicht nicht dementieren, fügt hingegen vielsagend an, dass das Ministerium nach der Aktion auch die internen Abläufe evaluiere. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich ein interner Machtkampf, der mehr oder weniger offen ausgetragen wird. Die alten roten und nicht so alten blauen Netzwerke, deren Abgrenzung zum illegalen Sumpf des organisierten Verbrechens nicht immer klar zu ziehen waren, werden jetzt ausgehoben. Der Innenminister kündigte etwa bei der Vorstellung des neuen Direktors des Bundeskriminalamtes an, dass alle Bereiche des Ministeriums evaluiert werden und den neusten internationalen Standards angepasst werden sollen. Er fügte hinzu, dass die Schlagkraft und Einsatzfähigkeit mancher Einheiten nicht mehr voll gegeben ist. Für die Sicherheit Österreichs müssen aber alle Abteilungen ihrer Arbeit mit größtem Gewissen nachgehen. Die Polizei soll bereit sein gegen jegliche Form der Kriminalität vorzugehen und auch neue Formen der Kriminalität frühzeitig zu entdecken, dass die Sicherheit der Österreicher immer sichergestellt ist. Diesen Auftrag des Ministers nimmt der neue Leiter des Bundeskriminalamts ernst und setzt dort an, wo die Verfilzung der Behörden in den semilegalen Bereich besonders stark ist: In der Rotlicht-Szene. Bei der Dingfestmachung von K. scheiterte der neue Geist in der Polizei noch an alten Widerständen, doch das Zeichen der Veränderung ist gesetzt. Sowohl in der Polizei als auch in der Unterwelt wird es von nun an schwieriger sein seine illegalen Geschäfte zu machen.

 

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