Kurtis Kochshow 3 und 4 (Weihnachtsfolge)
Kurtis Kochshow 3 und 4 (Weihnachtsfolge)
Nachdem bei den ersten beiden Folgen von Kochen mit Kirchbichler das Kochen am Anfang stand, beginnen die beiden neuen Folgen anders und natürlich zeigt dieser verschobene Beginn eine verschobene Akzentsetzung der ganzen Folge an. Also wie beginnen nun diese beiden Folgen? Kirchbichler sitzt an seinem Küchentisch. Okay, davor stand er in seiner Küche. Die entscheidende Veränderung ist hingegen, dass er nicht beginnt über Essen und Kochen zu sprechen, sondern er liest Zeitung oder er resümiert die bisherige Show und leitet dann das Gespräch zwischen den nun versammelten Freunden ein (aber dazu später). Der neue Akzent ist das, was man zuvor nur im Hintergrund ausmachen konnte, die Figuren aus dem Würger werden mehr als Figuren aus dem Würger dargestellt: Sie leben nicht in einer beliebigen Welt oder einfach in der bestehenden, sondern sie leben in der speziellen fiktiven Welt eines Filmes, des Würgers.
Kirchbichler liest nicht irgendeine Zeitung, sondern die Schilling Zeitung und somit eine Zeitung die der aufmerksame Fan bereits kennt, aus dem Fall Kamp. (Im Fall Kamp ermittelte ja bereits Kommissar Kirchbichler, ganz offiziell als Polizist, nicht privat als Internetkoch.) Dieses Zeitunglesen ist brillant umgesetzt und erinnert ebenfalls an den Fall Kamp: Zeitweise hört man Kirchbichler doppelt die Zeitung lesen, einmal als neutrale Lesestimme und einmal als Stimme im Vordergrund, die schnell ins Kommentar (ausgesprochen) oder kommentierendes Lesen (Lesegeschwindigkeit, usw.) wechselt. Durch diese Teilung wird Text und Kirchbichlers Meinung darüber vorgeführt. Doch nicht nur die Darstellungsweise des Zeitungslesens ist von Interesse, sondern auch der Inhalt, denn diese Artikel geben uns einen weiteren tieferen Einblick in die Welt des Würgers: Es passieren Morde, Straßenbahnunfälle, eine Dating-App wird vorgestellt und schließlich findet sich noch ein eigenartiger Sportartikel, der das Wiener Derby als fiktives Jahrhundertmatch stattfinden lässt. (Die Artikel aus der Schilling Zeitung haben wir auf unserer Homepage dokumentiert.) Diese in der Zeitung dargestellte Umgebung hat einen direkten Einfluss auf die Figuren des Films, sie leben in der Welt dieser Ereignisse. Somit stellt die Zeitung eine Weite dar, Informationen, die nicht unmittelbar mit den Figuren zusammenhängen. Gleichzeitig ist diese Weite als literarischer Trick auszumachen, denn in der geschlossenen literarischen Welt hängen auch noch die entferntesten Informationen zusammen, stehen in Verbindung mit der weiteren Entwicklung: Weite bedeutet Verbundenheit. Fraglich ist, ob dieser Zusammenhang auch hier erkannt werden kann, denn der durch die Zeitung entstehende Horizont ist so weit, dass man an diese Verbundenheit nicht mehr glauben wird (auch durch die Form des Zeitungsartikels). Darin zeichnet sich allerdings wiederum nur der literarische Trick aus, dass er sich als so weit präsentiert, dass er aus dem Blick gerät, nur um weiterhin gültig zu sein. Weite und Verbundenheit stehen in Zusammenhang, sind im Widerspruch ist vereint.
Aber letztlich können wir über diese Angelegenheiten, diese Verbindungen, noch keine Aussagen treffen, da wir die Entwicklung, die Zukunft nicht kennen. Da gilt es warten. Immerhin können wir uns in der Zwischenzeit damit vergnügen, dass wir über den Inhalt der Kochsendungen schreiben, oder besser, dass wir sie ansehen. In der dritten Folge übergibt Kirchbichler das Wort, die Kamera an Peppi Blech. Damit können wir nach der zweiten Folge, in der Zuckergoscherl kochte, nun auch Peppi kennenlernen und ihm beim Kochen beobachten. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, denn nicht nur die Umgebung ist spektakulär (Kochen im Freien), sondern auch das Rezept (100 Knoblauchzehen-Curry). Bei dieser Folge erreicht die Wut, nicht dabei zu sein, sondern nur vor einem Computer zu sitzen, ihren vorläufigen Höhepunkt: Man würde so gerne in den Topf mit dem Curry langen, doch die Hand wird vom Computerbildschirm zurückprallen. Die frustrierende Situation der Kochshow gilt auch hier: hungrig ausgeschlossen zu sein. Trotzdem sollte man nicht vorzeitig ausschalten, denn ganz zum Schluss kehrt die Geschichte ins Kochen zurück, wird geschickt mit den restlichen Zutaten vermengt.
Und ja, wie soll man die vierte Folge beschreiben, die Weihnachtsfolge: Hier meint man sich schon im Würger selbst. Die Farbe verschwindet plötzlich aus dem Bild und schwarz weiß sitzen sich die drei Freunde an einem Tisch gegenüber, alle in Kostüm und in ihrem Jargon sprechend. Und da geht es dann um nichts mehr seriöses, nicht die Kochsendungen werden besprochen oder weitere geplant, sondern die Heruntergekommenheit der Figuren selbst tritt uns entgegen. Aber damit sind wir wieder bei oben beschriebener Situation, bei dem Verhältnis zwischen Weite und Verbundenheit. Falls man Interesse für diesen Film, für diese Figuren aufbringt, dann sollte man sich diese Folge einfach selber anschauen, oder sich ein Transkript anfertigen lassen, denn dieses Gespräch kann nicht zusammengefasst werden, ist doch die Stimmung, seine Ganzheit das Entscheidende.
Und so können wir nur damit schließen, dass wir zum Ansehen dieser Kochshow aufrufen, wir wiederholen uns. Und auch bei der neuen Aktion von Kurt Kirchbichler mitzumachen, denn er rief in den beiden letzten Folgen dazu auf, eigene Videos einzusenden. (Videos an k.kirchbichler(at)wolke7.net) Wenn Sie schon immer in einer Kochshow sein wollten, filmen Sie sich und Kirchbichler wird Sie sicherlich zu Ihrem Vorteil zusammenschneiden. Und auch werden Ihre Einsendungen nicht schaden, dass wir möglichst häufig eine neue Folge der Kochshow zu sehen bekommen.
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