Medienrundschau 3: Die Abweichung

 

Die Abweichung, 30.11.2020

Schlag gegen das organisierte Verbrechen

Wie jetzt bekannt wurde, führte die Wiener Polizei Anfang November eine größere Razzia in der Wiener Unterwelt durch. Der Einsatz richtete sich in erster Linie dem Kampf gegen Drogenhandel und Menschenschmuggel. Der Abweichung liegt der Einsatzbericht vor und dieser zeigt die unmenschlichen Umstände, in denen Frauen – hauptsächlich aus Osteuropa – in solchen Lokalen ausgebeutet werden. Eine Frau gab bei ihrer Einvernahme an, dass ihr Lohn direkt in ihre Heimat geschickt werde. Ihr wurde gesagt, dass das Geld direkt an ihre Familie gehe, doch ob es dort je ankam, weiß sie bis heute nicht. Denn der Kontakt zu den Familien oder insgesamt zu allen Personen außerhalb der Lokale ist streng verboten: Die Lokale dürfen nur in den seltensten Ausnahmen verlassen werden. So sind die Frauen andauernd verfügbar, zu jeder Zeit kann nach ihnen verlangt werden und sie müssen entsprechen. Eine andere Frau gab an, was passiert, wenn man sich widersetzt: Gewalt und die Entfernung aus dem Lokal, an ein unbekanntes Ziel. Gewalt und Drohungen zwangen die Frauen zu den erniedrigsten sexuellen Leistungen und aus ihrer Gefangenschaft gab es kein Auskommen.

Der Polizei unterliefen bei dieser Razzia allerdings erhebliche Fehler. Die Beweislage scheint zu dünn, als dass die Staatsanwaltschaft Anklage erheben könnte. Und auch stellt sich die Frage gegen wen. Denn der vermeintlich Verantwortliche konnte bei der Razzia nicht verhaftet werden und ist seitdem nicht auffindbar. Trotz dem Erfolg der Razzia blamierte sich die Polizei, sie hat nichts vorzuweisen und entsprechend groß ist das Schweigen der Polizei über den Einsatz. Vielleicht wäre der Einsatz vollkommen im Verborgenen geblieben, wäre nicht ein Artikel im Schmetterling erschienen, der auf die Versäumnisse der Polizei hinwies. Die uns vorliegenden Ermittlungsakten bestätigen den Artikel des Schmetterlings, dass der Inhaber der Lokale gewarnt wurde, was ihm die Flucht ermöglichte. Ob dieser Warnung wirklich ein tieferliegender Konflikt innerhalb des Ministeriums zugrunde liegt, wie der Schmetterling behauptet, kann durch die Akten nicht bestätigt werden. Für nächste Woche ist eine Pressekonferenz des Bundeskriminalamtes angekündigt, bei der neue Ermittlungsergebnisse mitgeteilt werden. Der neue Chef des BKA wird bei diesem Anlass sicher auch nach der von ihm und dem Minister angekündigten Reform des Amtes, und der Polizei allgemein, gefragt werden. Was sie unternehmen wollen, dass es in Zukunft nicht mehr zu solchen Pannen kommt. Und selbstverständlich auch, was Polizei und Politik gegen die unmenschlichen Bedingungen in der Wiener Rotlichtszene unternehmen wollen, denn eines ist gewiss, die Zustände in K.s Lokalen sind keine Ausnahme.

 

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