Kochen mit Kirchbichler 5

Kochen mit Kirchbichler 5

Nach längerer Wartezeit begrüßt uns Kurt Kirchbichler im Jahr 2021 und in der neuen Folge seiner Kochsendung. Wir haben zwar bereits gelernt, dass die zubereiteten Gerichte nicht das Entscheidende der Sendung sind, aber immerhin arbeitet Kirchbichler auch diesmal in seiner Küche, also müssen auch wir uns mit seinem Kochen beschäftigen. Kirchbichler sagt, dass am nächsten Tag seine Freunde Peppi und Zuckergoscherl zu Besuch kommen und er für sie ein Fest gibt. Der Polizei-Empfänge erprobte Kommissar wählt für diesen Anlass den Klassiker des Fingerfoods aus: die Spieße. Doch wie er genau zu dieser Auswahl an Spießen kam, erklärt er nicht und bei der Wiener Polizei wird er diese Spieße auch nicht kennengelernt haben. Die Spieße sind eine wilde Mischung.

Kirchbichler bezeichnet sie mit français, bairisch-(tirolerisch) und italiano. Die Zutaten verstehen sich von selbst: Käse, Weintraube, Soletti, Weisswurst, Speck, Senf, Soletti, Paradeiser, Mozzarella, ‚Crema um drei Euro‘, Grissini. Entscheidend ist dabei nicht die Auswahl der Zutaten, vielmehr, dass nicht mit Zahnstochern ‚operiert‘ wird, sondern die Zutaten mit essbaren Stäben verbunden werden.

Und so macht sich Kirchbichler ans Schaffen. Er probiert vor laufender Kamera aus, wie er die Zutaten am besten durchboren kann, wie er den Arbeitsprozess verbessern kann. Natürlich sind solche Informationen für eine Kochsendung die entscheidenden Grundinformationen und einer Kochsendung entsprechend bringt Kirchbichler derartige Anleitung mit großem Nachdruck zum Ausdruck. Der Schein der Ernsthaftigkeit hält nicht sonderlich lange. Denn wer würde eine Speise nachmachen, deren Herstellung Kirchbichler folgend beschreibt: ‚Aber ich bin gerade auf etwas draufgekommen. Es ist vielleicht besser, zuerst mit dem Soletti in den Käse zu gehen, weil durch den Weintraubensaft, der austritt, wenn ich die Weintraube durchsteche, wird das Soletti natürlich aufgeweicht, was dann beim Durchboren des Käses von Nachteil ist. Also jetzt gebmas zuerst in den Käse und setzen dann, mit aller Vorsicht, die Weintraube darüber.‘

Niemand, und doch ist die Kirchbichlers Kochsendung beliebt. Die Beliebtheit wird an dieser Episode keinen Abbruch finden, denn Kirchbichler ist gut gelaunt. Er treibt vor der Kamera, mit der Kamera und hinter der Kamera den Schmäh. Der Höhepunkt des Schmähs ist wohl unzweifelhaft die Anleitung zu den bairisch-tirolerischen Spießen. Die kirchbichlersche Formulierkunst setzt gleich damit an, dass er das Spießrezept im Sinne der Gemeinschaft und der Weihnachten‘ vorstellt. Kirchbichler holt dann etwas aus und führt uns in die Napoleonischen Kriege zurück, über die man ja bekanntlich weiß, dass sie sich auch zwischen Tirol und Bayern abgespielt haben. ‚Nach vielen Grenzkonflikten zwischen den Bayern und Tirolern, wird jetzt endlich Friede geschlossen und es ist der Friede von Soletti.‘ Die Spieße sind ein kulinarisches Versöhnungswerk. Kirchbichler lässt die Deeskalationsschulung aus sich sprechen und bringt das schlichte Kochen auf ein Niveau der Völkerverständigung. Seine philosophischen Gedanken sind damit aber noch lange nicht am Ende. Denn dass dem Friede von Soletti nicht die Schlacht bei Solferino folgt, holt er lieber einen zweiten Teller: In der Versöhnung am Spieß lauert ein neuer Konflikt, der zwischen den verschiedenen Spießen. Kirchbichler beugt der Gefahr am Präsentierteller vorausschauend und mit Weitblick vor.

In Kirchbichlers Kochshow ging es nie nur um ihn, sondern auch um seine Freunde Peppi und Zuckergoscherl. Diese sind in der Episode wieder nur über das Telefon anwesend, wobei alle gut gelaunt in Schmäh verbunden zu sein scheinen. Und was ist das für ein Schmäh: Man verabredet sich den Freund mit Anrufen zu tyrannisieren und als Draufgabe gibt es noch einen Scherzanruf, in dem Zuckergoscherl sich als Kirchbichlers Chef ausgibt. Ziel der beiden scheint es zu sein, Kirchbichlers Vorbereitungen für das Fest zu sabotieren. Warum, weiß man nicht und wie überhaupt die beiden auf diese Idee kamen, auf diesen kindischen Scherz, weiß man nicht. Und bei den beiden soll es sich um Figuren handeln, die zweifelhafte Geschäfte in der Unterwelt betreiben. Rätselhaft.

Kirchbichler hat man durch seine Sendung schon ganz gut kennengelernt, aber was sind das für andere Charaktere, um was für Figuren handelt es sich bei ihnen. Peppi und Zuckergoscherl sind bis jetzt nur in Andeutungen vorgekommen. Entsprechend wenig weiß man über sie und kann sich kaum vorstellen, was sie jenseits der Kamera machen würden und warum sie vor der Kamera so sind wie sie sind. Das hat zur Folge, dass die Behauptung, dass es sich um Unterweltgestalten handelt, wenig Unterstützung bekommt, man kann ihren zwielichtigen Hintergrund nur glauben.

Die Folge führt noch eine neue Figur ein, oder besser gesagt Stimme. Bei dieser Stimme wird es sich wohl um Kirchbichlers Frau handeln, die Kirchbichler gleich am Anfang beschimpft und ihn auffordert, doch im Haushalt mitzuhelfen (man könnte hinzufügen: sinnvoll). Aber mehr als die Wut über ihren Mann erfährt man nicht, nicht mal den Namen. Um wen handelt es sich und warum spricht sie Ungarisch?

All diese aufgeworfenen Fragen, Unklarheiten und Lücken in den Charakteren können natürlich nur zu einem führen: Dass sie aufgelöst werden. Spannung auf die nächsten Folgen hin und natürlich auf den Wiener Würger hin.

[Zu sehen ist die Folge wie immer auf der facebook-Seite des Kochvereins: https://www.facebook.com/watch/?v=432521394510620]

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