Kochen mit Kirchbichler Folge 6

 

Kochen mit Kirchbichler Folge 6

(Das Video können Sie unter dieser Adresse sehen: https://www.facebook.com/ErsterWienerMaennerkochverein/videos/726136298056623)

Man könnte das Fluchen, die Unfreundlichkeiten, die Biere oder Schnäpse, die Situps, die Kreuzworträtselfragen, die Blumen, die Spieße, die schlechten Witze zählen und würde jeweils auf eine große Zahl kommen. Aber all diese Zahlen verbinden sich in einer, in einem Fest. Kurt Kirchbichler lädt seine Freunde Pepi Blech und Zuckergoscherl (?) ein und bietet ihnen seine bereits besprochenen berühmten Spieße und gute Laune – nur zeitweise von etwas Streit und Hader getrübt. In all diesem Spektakel könnte beinahe die Frage verloren gehen, warum es denn zu diesem Fest kommt, warum Kurti seine Freunde einlädt. Naja, könnte man antworten, wer braucht schon einen Grund für ein Fest. Aber würde man Kirchbichler fragen, dann würde er eine ganz klare Antwort geben, denn er hat etwas zu feiern, hat einen Grund sich feiern zu lassen. Also fragen wir Kirchbichler.

Kurti sagt: Na die Razzia war mei Leistung, da werde ich doch noch ein Fest veranstalten dürfen, wenn die Polizei sich schon ein Dreck um meine Erfolge für die Sicherheit schert. Herr Kommissar, da sagen Sie aber etwas interessantes. Das mein ich auch, dass das Fest was interessantes ist, wenn Sie auch eingeladen werden wolln, dann sagns gerade heraus. Danke Herr Kommissar, aber ich fürchte, dass man bei einem fiktiven Interview schwer jemanden einladen kann. Und das Interessante wäre außerdem gewesen, dass Sie in der Polizei nicht gefeiert werden. Warum ist das denn so? Na weil i die Falschn eingesackt hab. Die Falschen? Aber Kriminelle sind doch Kriminelle, man hört ja sogar, dass es sich um Mörder handelt. Hast des ghört, so a Naivling, hat in der Schule noch nicht mal schreiben gelernt und will schon a Journalist sein. Wir sehen hier vorgeführt, direkt aus nächster Nähe, das Humorverständnis von Kirchbichler: Wer findet es nicht lustig, wenn jemand in höchst passenden Vergleichen und in dritter Person über einen spricht. Aber Herr Kirchbichler könnten Sie uns nicht von unserem Unwissen befreien? Was geht da in der Polizei vor, wenn Krimineller nicht mehr Krimineller ist, dann stimmt doch etwas nicht. Na, aber so offen kann ich doch nicht darüber reden, wenns der Chef in der Zeitung lesen könnt, könnt ichs ihm gleich auch ins Gesicht sagn, dass er ein korruptes Schwein is. Na des geht nicht, da müssns Verständnis haben. Aber Herr Kirchbichler, Herr Kommissar, bleiben Sie doch noch einen Augenblick stehen, wir können da sicher eine Lösung finden, off-record, Quellenschutz, das kennen Sie doch und ich könnt da noch was anbieten. Ich höre. Ich meine Sie haben doch auch eine Agenda, die können Sie uns erzählen und wir verbreiten Sie dann als Wahrheit im ganze Land. Aber anonym is eh. Sicher doch, Herr Kommissar, Sie können sich jeden Decknamen ausdenken, oder wir schreiben hoher Beamter der Wiener Polizei oder so. Schreibns des mit hoher Beamter, des gefällt mir, da wird jeder glauben, dass es von wem anders kommt, hoher Beamter, echt a naiver Junge der Redakteur.

Die Redaktion erreichten Informationen eines hohen Beamtens der Wiener Polizei. Der Beamte berichtet über verdeckte Unterstützung einer kriminellen Organisation durch die Polizei. Wir trafen den Beamten und ließen uns seine Sichtweise schildern.

Bei einer Razzia wurden zwei Personen festgenommen, die jetzt wegen Mord angeklagt werden. Sie behaupten, dass diese Personen unter Schutz der Polizei agierten. Warum deckt die Polizei Mörder? Wissns, des is a schwierige Geschichte, das Verbrechen und die Polizei sind verhabert. Wie sagt man, was sich neckt des liebt sich, na umgekehrt, aber dann würds nimma stimmen. Na egal, also, da kann man gegenseitig profitieren, die Polizisten bekommen ein bissl a Zubrot und die Kollegen in der Unterwelt haben eine Ruh. Wenn sie sich an gewisse Regeln halten, versteht sich. Und jetzt haben wir ein neuen Chef da oben und wenn ein neuer Chef da ist, dann wird nicht nur die Sekretärin ausgetauscht und der Chauffeur und mit den Email-Adressen und Handys kennt sich auch niemand aus, nein, da verändert sich alles im Haus und eben auch die Protektion, so nennen wir das, von denen in der Unterwelt. Die Neun von oben wolln Neue ins Unten (Unterwelt verstehns) reinbringn. Aber geht diese Protektion so weit, dass das einfachste Gesetz nicht mehr gilt? Jetzt lassns mich schon ausredn, mit erna biblischen Weisheitn müssens mir net kommen, von derer Sorte kenn ich ausreichend. Wissns in den letzten Jahren hat sich das mit der Protektion verfestigt, hier und da warn die gleichen Leut über Jahrzehnte und es hat passt, alle ham profitiert, ich würd des a gute österreichische Tradition nennen, das man sich zamsetzt und bei nem Bier gemütlich über die Probleme redet und am Schluss stehen alle als Gewinner auf. So wars. Aber die Zeiten ändern sich, da kann ma nix machen. Aber das alte System war so eingefleischt, dass es sich nicht wie a Chauffeur austauschen lässt, verstehns, da brauchts a bissl a Nachhilfe. Der Chauffeur geht mit dem richtigen Angebot freiwillig in Frühpension, aber in dem Geschäft gibts kein Frühpension, warum auch, da hält man an seine Profite fest. Da brauchts a Bahö, a Revolution, wenns so wolln. Wenn sich was nicht friedlich beseitigen lässt, dann brauchts die Revolution und da sind wir grad, jetzt geht das Schießen wie vorm Häfn in Paris los. Und da gelten keine Regeln mehr, der Stärkere gwinnt. Und deshalb wollt ich mit erna redn, dass Sie der Bevölkerung sagn, dass des net in Ordnung is, was da abgeht, dass die Regln wieder geltn solln, dass a Friede sein soll, nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht. Könns das Schreibn. Eine Frage hätt ich noch: Die, die Sie bei der Razzia verhaftet haben, gehören zu den Neuen und haben Leute von den Alten erschossen. Sehe ich das richtig? Da hams ganz recht, genau so wars, das kann ich erna bezeugen. Und wie ist Ihr Verhältnis zu diesen Alten in der Wiener Unterwelt. Und i hab gedacht, das war schon die letzte Frag. Na des müssns jetzt net schreibn, hams mir net versprochn, dass i nur meine Seite schildern darf. Aber ganz deppert werns ja nicht sein, bei meinem Fest war der Zuckergoscherl – den sehns da rechts im Bild – des is mein Hawerer und einer von die Großn im Geschäft, also sicher springen da auch ein zwei Groschn für mich heraus. Natürlich Herr Kommissar, das werden wir in der Zeitung auf gar keinen Fall bringen. Ich bedanke mich sehr aufrichtig bei Ihnen und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer weiteren Arbeit und wenn Sie uns etwas berichten wollen, dann können Sie mich unter dieser Nummer ständig erreichen. Am nächsten Tag liest es garantiert die ganze Stadt im Lokalteil der Schilling-Zeitung. Aber Herr Redakteur jetzt nicht so schnell, i dacht wir könntn noch auf ein Schnelles zur Susi gehen, ich lad Sie auch ein. Na weg is er, die von der Presse muss man sich auch warm halten, des is a praktische Visitenkarte, speicher ich mir gleich ein die Nummer.

Obwohl wir weder von der Schilling-Zeitung sind, noch den Kurti Kirchbichler trafen, hat uns der Kurti nun doch erklärt, was es zu feiern galt. Er hat es sich verdient. Jetzt verstehen Sie es und vielleicht verstehen es auch irgendwann bald mal auch seine Freunde, dass Pepi und Zuckergoscherl wenigstens bisschen freundlicher mit dem Herrn Kommissar umgehen. Wir wünschen Prost und auf den Ermittlungserfolg.


Unsere Kollegen von der Bildredaktion haben sich der gleichen Fragestellung – warum es berechtigt ist, dass Kirchbichler ein Fest feiert – gewidmet und sind der Frage mit ihren Mitteln nachgegangen. Wie wir Kirchbichler erfunden zum Gespräch trafen, waren sie erfunden mit ihrer Kamera bei der Verhaftung der beiden Verdächtigen dabei. Ihr Video zeigt aus nächster Nähe die professionelle Arbeit von Krichbichler und seines Teams.

Unterlegt sind ihre Aufnahmen mit einem Pressebericht (in unserem Haus nennen wir die Stimme des Sprechers schon Fall-Kamp-Gedächtnisstimme) und mit mechanischer Musik.

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