Kochen mit Kirchbichler: Folge 7 & 8
Kochen mit Kirchbichler: Folge 7 & 8
Dass Kochen mit Kirchbichler nicht nur eine Kochshow ist, schrieben wir bereits öfter. Mit den beiden neuen Folgen verschiebt sich die Grenze allerdings weiter. Bisher redeten die Helden der Sendung – sagen wir während sie kochten – über andere Dinge, nun machen sie andere Dinge – sagen wir während sie kochen.
Den Wechsel von Reden zu Machen kann man am Wechsel vom Drinnen ins Draußen ablesen: Am Tisch in der Küche wird geredet, auf der Wiese im Garten oder auf der Straße wird gemacht. Der Garten, der Schauplatz, gehört Pepi und dort wird zuerst gekocht. Man könnte wieder sagen, wer mag so etwas essen: Hühnerherzen gegrillt? Und man könnte wieder antworten: Naja, so schlecht schmeckt das jetzt gar nicht wie es klingt. Aber gleichzeitig, um so kursorischer und abstoßender mit einem Gegenstand umgegangen wird, umso wichtiger wird etwas anderes sein. Würde man ein Experiment veranstalten: Einer bestimmten Menge an Personen wird das Kochvideo vorgeführt und auf Basis des Videos muss die Speise exakt nachgemacht werden. Das Ergebnis würde notwendig anders werden, denn viele Zubereitungsschritte passieren neben der Kamera, werden im Video nicht gezeigt. Der Zuseher hat gar nicht die Möglichkeit die Speise genauso nachzumachen. Das wäre der Punkt der Ungenauigkeit und das gleiche gilt für das Abstoßende: Hühnerherzen, Innereien, wer mag etwas kochen, wofür Plastikhandschuhe angezogen werden müssen (hygienisch wie im Labor: igitt) oder der ‚reine‘ Hühnerherzenspieß, graus. Zusammengefasst: Die Ratgeberfunktion einer Kochsendung wird nicht erfüllt.
Wie ein Urlaubsvideo verfolgt die Kamera das Kochen. Beiläufig werden Sonnenbrillen auf- und abgesetzt, Gewürze in Töpfe geschüttelt und so einiges gelingt nicht: das Feuerzeug mag den Grillanzünder nicht entfachen, der Kohlensack mag nicht aufgehen und im Kohlensack sind Ziegel, aber immerhin muss man aufpassen, dass der Rasen nicht kaputt geht (man könnte fragen, welcher Rasen?). Dann wird sich beiläufig verabschiedet, Kirchbichler bietet Zuckergoscherl beiläufig an ihn im Auto mitzunehmen. Und dann hört beiläufig die Beiläufigkeit auf: Kirchbichler verhaftet Zuckergoscherl.
Es ist eine Amtshandlung und Zuckergoscherl wird gegen die Motorhaube gedrückt und Kirchbichler bindet die Hände mit Kabelbinder zusammen. Die Idylle des Grillfests ist längst vergessen: Widerstand ist zwecklos.
Es ist nicht unsere Aufgabe die Motivation dieser Handlung zu klären, das werden die Zeitungen der anderen Welt übernehmen oder der aufmerksame Zuseher. Wir bleiben beim Video. Kirchbichler erklärt sich nicht, Zuckergoscherl murmelt etwas von Anwalt, Anwalt, Pepi tritt rabiat auf, weicht dann aber vor der Polizei zurück. Es bleibt unklar, warum diese Verhaftung passiert. Und warum sollte Kirchbichler sich rechtfertigen, er wird den Haftbefehl schon irgendwo einstecken haben und immerhin handelt er mit dem Staatsapparat im Rücken, da muss er sich nicht erklären, auch vor denen nicht, mit denen er gerade noch Hühnerherzen verspeiste.
Obwohl die Kamera ihre sanften Töne des Grillfestes in den harten Gegensatz von Schwarz und Weiß verloren hat, bleibt der Blick der des Beobachters erhalten: Erklärungen werden nicht gegeben. Zusammengefasst: Die (vorgegebene) Informationsfunktion eines Krimis wird nicht erfüllt.
Aber zur Beruhigung: Wir können anfügen, dass alles nicht so schlimm war. Bei der Verhaftung handelte es sich um irgendeine vorgeschobene Aktion, denn in der nächsten Folge (Folge 8) sieht man Kirchbichler beim Chatten mit einem Richter (neuer Schauspieler: guter Schauspieler). Sie schreiben über Zuckergoscherl, dessen Verfahren offensichtlich manipuliert werden soll. Anträge werden ausgetauscht und umgeschrieben und sich konspirativ in Codes ausgetauscht (welcher neuer Stil, Paragraphensammler???, welche Familie?) und schließlich eine Sporttasche übergeben. Kirchbichler hat Zuckergoscherl verhaftet, um ihn freizukaufen: Welch eigenartig Spiel. Damit sind wir wieder bei der Frage nach der Motivation und von dieser ziehen wir uns wieder zurück, das Video sagt nichts darüber.
Über das Video können wir noch sagen, dass es eine enge Fortsetzung der siebenten Folge ist: Es wird nicht erst mit einer Rahmenhandlung – Kochen – eingesetzt, sondern direkt im Machen fortgesetzt. Einzig eine Kunstpause, dass die Verhaftung auf die Zuseher und Zuckergoscherl wirkt, trennt die beiden Folgen, ansonsten sind sie nahtlos verbunden. Nur eines noch, warum geht der Richter – noch dazu zu dieser Musik – am Ende in diesen Keller: Da wird mit den Nerven der Zuseher nicht gerade entgegenkommend umgegangen.
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