Kommissar Kirchbichlers Kochshow gibt ungewohnte Einblicke in die Polizeiarbeit

 

Kommissar Kirchbichlers Kochshow gibt ungewohnte Einblicke in die Polizeiarbeit

Bei der Kochshow haben wir es nicht mit dem neuen Marketing-tool der Wiener Polizei zu tun, sondern Kurt Kichbichler tritt ganz privat auf. Kurt Kirchbichler, leitender Beamter der Wiener Kriminalpolizei. Also Kurti, wie ihn seine Freunde nennen, nicht der Kommissar. Und trotzdem. Ich oder Sie werden es auch kennen, wenn man nach der Arbeit zu seinen Freunden zum Abendessen eingeladen ist und das Gespräch ins Laufen gekommen ist, dann wird man auch etwas aus seiner Arbeit erzählen: Ins Private geht die Arbeit ein. Wie sollte es auch schon anders sein, füllt doch die Arbeit ein gutes Stück unserer Zeit. Und so beglücke ich meine Freunde mit den mehr oder weniger interessanten Hintergründen, die es nicht in die Zeitung schafften oder Sie erzählen, wie Sie so ganz nebenbei dem Patienten den falschen Fuß absebelten oder hoffentlich doch eher harmlosere Geschichten. Wir können dieses Phänomen unter der Weisheit zusammenfassen, dass privates und berufliches nicht so leicht zu trennen sind.

Und so geht es dem lieben Kurti auch; nur dass er dabei die Kamera laufen lässt. Er wird denken, dass er nur über seine Speisen redet, uns nur Tipps gibt, wie wir kochen sollen und dabei spricht er über seine Arbeit, wenn er sie nicht geradezu vorführt.


Kurti verkehrt mit dubiosen Gestalten, mit Gestalten, die man jetzt nicht unbedingt in der Gesellschaft eines Polizisten erwarten würde: Mit einer Gestalt, die sich Zuckergoscherl nennt und eine Unterweltgröße ist und einer Gestalt, die sich Pepi nennt und der Vollstrecker dieser Unterweltgröße ist. Kurti lädt sie zu sich ein, Kurti gibt ihnen Gastauftritte in der Kochshow, Kurti besucht sie und natürlich sprechen sie miteinander.

Aber ging die Vermischung von Privat und Beruf mit der siebenten Folge nicht zu weit? Die Freunde kochen harmlos (wenn auch nicht für Hühner), verabschieden sich harmlos voneinander, die Kamera läuft weiter, und plötzlich wird Zuckergoscherl gegen die Motorhaube gedrückt und verhaftet. Die Freundschaft hat sich in Amtshandlung verwandelt. Das private Kochvideo zeigt die Arbeit.

So etwas muss mit Absicht passieren, spätestens dann, wenn Kirchbichler den Knopf drückt und das Video ins Internet hochlädt. Die Arbeit soll also dargestellt werden; die Arbeit ist Teil der privaten Freundschaftspflege, der privaten Selbstinszenierung. Es scheint dazuzugehören, dass der Polizist sich als Koch darstellt und als harter Kollege, der von einem Augenblick zum anderen jemanden verhaftet, mit dem er gerade noch freundschaftlich umgegangen ist. Der Polizist mag sagen, dass er einerseits ein leiwander Typ ist, den auch die alltäglichen Fragen der Küche plagen, andererseits auch zupacken kann.

Das ist das Verhältnis, das die Verbindung zwischen Polizei und Unterwelt grundsätzlich ausmacht: eine harte Freundschaft, eine Nähe aus Bier und Handschellen. Auf jeden Fall eine Verhaberung. Freundschaftlich schaut der Polizist weg, wenn er eine Gegenleistung erwarten kann, erwartet er sich anderswo eine größere Gegenleistung, dann ist die Freundschaft schnell Amtshandlung. Die Verbreitung der amtlichen Freundschaft im Internet ist als Mittel zu verstehen die Gegenleistung stetig hochzuhalten, die private Imagepflege ist berufliche Imagepflege: Der Kriminalpolizist kann das eine unmöglich von dem anderen auseinander halten. Die Kochshow vom Kurti Krichbichler ergibt auch für den Kommissar Kirchbichler vollen Sinn und vollen Effekt.

Wir als Zuseher mögen von den tiefen Einblicken in die Polizeiarbeit überrascht sein, doch wird die breite Zielgruppe gelassen in Kauf genommen. Zuerst sollen die Klienten in der Unterwelt erreicht werden und ihnen mitgeteilt werden, dass die Polizei so und so kann und dass die Unterweltgestalten sich entsprechend großzügig verhalten sollen. Vielleicht sehen wir in zukünftigen Folgen von Kochen mit Kirchbichler direkt aus der Unterwelt zugestellte Fressenspakete, die Kirchbichler genüsslich verarbeitet und verspeist: Ihm ist es zu wünschen und gönnen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zoltán Danyis Rosenroman ist kein Buch über Rosen

Begründung der Verleihung des ‚ersten Filmpreises‘ an Heidi Vágyi für Platón

Schreibmaschinen-Literatur