Überblick über Neuerscheinungen des Extrablatt-Verlags (Le Cinéma Autrich de l‘est)
Überblick über Neuerscheinungen des Extrablatt-Verlags
Die Erscheinungstermine des Schmetterings gerieten in letzter Zeit etwas durcheinander und der 22., der übliche Publikationstag des Schmetterings, wurde öfter vom Erscheinen anderer Magazine des Extrablatt-Verlags ausgefüllt. Im Februar erschien die erste Ausgabe des Filmmagazins Le Cinéma Autrich de l‘est, im Mai erschien Schmettering-history. Ebenso im Mai veröffentlichte der Extrablatt-Verlag einen neuen Band der Kirchbichler-Saga Fuchs ans an Fuchs zwo. All diese Publikationen sollen hier in einer Sammelrezension vorgestellt werden.
Le Cinéma Autrich de l‘est
Le Cinéma Autrich de l‘est ist ein schlichtes Filmmagazin. Es versammelt alle Materialien, die bis Jänner über den Komplex Wiener Würger erschienen. Le Cinéma Autrich de l‘est ist ein durchgestrichenes Filmmagazin, denn alle Seiten, alle Texte sind mit Strichen überzogen, die Formen ergeben und die Texte eher unlesbar machen. Le Cinéma Autrich de l‘est ist kein schlichtes Filmmagazin.
Diese Aussagen über das Filmmagazin sind widersprüchlich und doch ist jede einzelne von ihnen zutreffend. Es ist ein Filmmagazin, weil die Texte einen Film behandeln. Es ist ein Filmmagazin, weil es Illustrationen gibt, die den Text illustrieren. Es ist kein Filmmagazin, weil man die Texte über den Film nicht lesen kann. Es ist kein Filmmagazin, weil die Illustrationen nicht in bunter Pracht den Text ergänzen, sondern durchstreichen und ersetzen. Die Bestandteile des Filmmagazins sprechen gleichzeitig für die Einordnung als Filmmagazin und dagegen, das was dafür spricht, spricht dagegen.
In der Widersprüchlichkeit trifft Le Cinéma Autrich de l‘est eine doppelt abstrakte Aussage. Zuerst über die Bedingung von Bildern. Die Illustrationen (die Formen) entstehen, indem die Striche verschieden ausgerichtet sind, also die Basis der Unterscheidung von Formen vorgeführt wird. Aber, nein nicht nur Abstraktion, sondern auch Konkretion: Durch die Striche entstehen bestimmte Illustrationen, bestimmte Bilder. Zu dieser Doppelrolle von Abstraktion und Konkretion kann man in der Besprechung von Fuchs ans an Fuchs zwo genaueres lesen.
Zu dieser allgemeinen Eigenschaft tritt eine besondere Art der Konkretion hinzu, eine die sich in den abstrakten Strichen selbst findet. Die Striche sind nämlich nicht gleichmäßig, sie unterscheiden sich in ihrer Stärke, ihrem Abstand und in ihrer Parallelität. In Verdichtung und Abweichung kommt es zu bestimmtem Ausdruck, die Striche bilden Figuren.
Der zweite Aspekt der Abstraktion ist die Aussage über die Form Magazin. Die Illustrationen sind an dem Ort, an dem sie zu sein haben und ergeben doch ein anderes Ergebnis. Sie hinterlegen nicht sanft den Text, sondern streichen diesen durch. Das übliche Verhältnis ist – durch die schlichte Anwesenheit – gestört und zum Ausdruck gebracht: das tautologische Verhältnis der doppelten Aussage von Bild und Text. Die überwältigende Funktionsweise der Medien, in Bild und Text, wird durch die Sichtbarmachung kritisiert. Obwohl es sich bei Le Cinéma Autrich de l‘est selbst um ein Filmmagazin handelt, ist es Kritik an Magazinen und Medien.
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