Überblick über Neuerscheinungen des Extrablatt-Verlags (Fuchs ans an Fuchs zwo)
Fuchs ans an Fuchs zwo
Im Jänner ereignete sich die Verhaftung zweier Männer, denen die Polizei Morde in der aktuellen Unterweltausauseinandersetzung vorwarf. Diese Verhaftung wurde auf verschiedene Arten thematisiert. Zuerst war die journalistische Behandlung. Es folgte die Illustration durch Kästchen, die die Verhaftung in Bewegung setzte. Dieser digitalen Animation wurde ein eingesprochener Zeitungsbericht zu Grunde gelegt: Eine Fall-Kamp-Gedächtnisstimme verortete, was die Kästchen durchführten. Der abschließende Schritt der Thematisierung der Verhaftung ist Fuchs ans an Fuchs zwo. Bei Fuchs ans an Fuchs zwo handelt es sich um ein Buch, dessen Seiten jeweils ein Kästchen-Bild (einen Augenblick der Verhaftung) zeigen unter das ein Satz geschrieben ist. Die Sätze sind Aussagen der handelnden Personen, Aussagen der Polizisten und der Verhafteten, die sie während der Amtshandlung von sich gaben.
Die Elemente eines Comics sind versammelt, werden aber nicht ausgeführt und auch nicht sinnvoll verbunden. Es gibt keine fertigen bunten Bilder, sondern nur Konturen (Rahmen) der Bilder und die Aussagen sind nicht Figuren (Rahmen) zugeordnet, sondern stehen am unteren Seitenrand. Die Bilder müssten selbstständig gefüllt werden und die Aussagen müssten selbstständig mit den Sprechern verbunden werden. Als Comic scheitert das Buch, es ist ein unfertiges Buch.
Und damit kommt man wieder zu der Frage, was ein Bild ist, aus welchen Bestandteilen ein Bild besteht und wie doch aus den abstrakten Elementen – sowohl eines Bildes als auch eines Dialoges – eine konkrete Aussage getroffen werden kann. In der Reduktion auf die Abstraktion, die Aussage über die Möglichkeiten eines Gegenstandes ist, geht vorerst notwendig die konkrete Aussage verloren: Die leere weiße Leinwand zeigt eben kein bestimmtes Haus oder Person, sondern ist die Reduktion auf die grundlegenste Form des bildlichen Ausdrucks. Da die Darstellung der Abstraktion schnell vollzogen ist und diese sich nicht sonderlich schnell verändert, wird die Darstellung der Abstraktion schnell zu einer langweiligen Sache, die bereits geschafft und durchgeführt ist. Das bedeutet nicht, dass Abstraktion ihre Ausdruckskraft und ihre Bedeutung verloren hätte, im Gegenteil: Das Bild veränderte sich ebenfalls nicht und so nicht der Gegenstand der Kritik der Abstraktion. Zwei einander widersprechende Vorgaben müssen erfüllt werden: Abstraktion und Konkretion. In der Abstraktion muss zu einer auf einzelnes bezogenen Aussage gekommen werden: Kritik am Bild vollzogen werden und doch dargestellt werden.
In der Darstellung der Bedingung woraus ein Bild besteht, wie zu Aussage gekommen werden kann, muss ein Polizist durch das Bild gehen können und eine Verhaftung vollziehen können, eine Aussage vollzogen werden. Fuchs ans an Fuchs zwo versucht diese Verbindung auf der Ebene des Unterhaltungstext zu erreichen.
Alle besprochenen Publikationen des Extrablatt-Verlags finden sich online und können auch – mit mehr oder weniger großem Aufwand – beim Verlag gedruckt und gebunden bestellt werden.
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