Nach sieben Monaten frei, Unterweltboss schon wieder in Freiheit
Nach sieben Monaten frei, Unterweltboss schon wieder in Freiheit
In der Wiener Unterwelt war es in den letzten Monaten ruhig geworden. Das liegt nicht nur an den Corona-Regeln, sondern auch an der Verhaftung von Herbert K, einer der Bosse der Unterwelt. Im Mai dieses Jahres wurde K. in einer von den Medien genau verfolgten Aktion verhaftet, seitdem wurde es um ihn und um sein Geschäft ruhig. Seine ehemaligen Lokale schlossen, die Konkurrenz breitete sich um ihn aus. Der Prozess fand so gut wie keine Aufmerksamkeit. Nun sind die sieben Monate Haft abgelaufen.
Sieben Monate für eine lange Liste an Vergehen, die von illegaler Prostitution bis hin zu schwerer Körperverletzung reicht, ein sehr mildes Urteil. Schon im Mai gab es Gerüchte, dass bei Verhaftung und Einvernahme nicht alles nach Vorschrift ablief: Es kursierten Videos, die die Übergabe einer Sporttasche an einen Richter zeigten und das Gerichtsverfahren lief erstaunlich jenseits der Öffentlichkeit ab. Vielleicht verschwanden entscheidende Punkte der Anklage aus dem Akt und aus den Vorwürfen blieben nur noch mindere Vorwürfe über. Weder das Justizministerium noch der Anwalt von Herbert K. wollen zu dem Verfahren Stellung nehmen oder auch nur bestätigen, wo K. sich momentan befindet. Die Vorgänge bleiben trüb.
Sicher ist allerdings, dass die ruhigen Zeiten der Unterwelt vorbei sein werden. Die Corona-Regeln drohen mehr und mehr umgangen zu werden und das verlorene Geschäft will mehr und mehr nachgeholt werden. Doch zusätzlich zu diesen Punkten, die für die gesamte Gesellschaft gültig sind, kommt Z. zurück auf den Markt. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass lange Abwesenheiten, die meist in Haft verbracht worden sind, zu Konflikten führen. Das Verlorene will zurückgeholt werden. Verloren hat Z. vieles: Kunden und Angestellte haben sich in den letzten sieben Monaten neue Arbeitsplätze oder neue Orte für ihr Vergnügen gesucht. All dies muss Z. nun wieder aufbauen, muss um die Kunden kämpfen. Das bedeutet Konflikt mit der Konkurrenz.
Die Polizei wird die Folgen des schwachen und zweifelhaften Verhaltens der Justiz zu spüren bekommen, wenn sie zu den in die Öffentlichkeit übergreifenden Konflikten der Unterwelt gerufen werden wird. Vielleicht machte es sich die Justiz nur einfach und wählte den Weg mit den geringsten Widerständen, in dem sie Z. zu einer milden Strafe verurteilte und damit dem Konflikt mit ihm und seinen mächtigen Freunden auswich. Aber vielleicht ist auch etwas dran an den Gerüchten und Videos, die den Vorwurf der Bestechlichkeit und der politischen Instrumentalisierung der Justiz zumindest denkbar erscheinen lassen. Ein Netzwerk zieht sich über Staatsanwälte und Richter bis auf die politische Ebene des Justizapparats, die Ministerin schaut diesem Treiben tatenlos zu. Die Öffentlichkeit und in vorderster Reihe die Polizei werden mit der Nachlässigkeit der Justiz umzugehen haben.
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