Le Cinéma Autriche de l‘est No.2 – eine Besprechung
Le Cinéma Autriche de l‘est No.2 – eine Besprechung
Im Dezember (22.12.2021) erschien in 30 Stück die zweite Nummer des Filmmagazins, das die im ersten Halbjahr 2021 erschienenen Artikel über und zum Wiener Würger (Kochverein) versammelte. Die überwiegende Reaktion war, dass die Artikel das Interessante seien, dass das zusammenfassende Angebot der Artikel das Zentrale des Heftes sei. Und das, obwohl die Artikel – die Buchstaben – mit Strichen überzogen sind, die die Lesbarkeit zumindest einschränken, wenn nicht verunmöglichen. Der Text nicht die Striche, die Illustrationen sind, stand für die Abnehmer im Vordergrund. Und das, obwohl die Artikel – die Buchstaben – an anderer Stelle ohne Störungen gelesen werden können: Auf der Seite kochverein.at sind die verschiedenen Artikel auch praktisch versammelt und gleichzeitig besteht dort der Vorteil der größeren Aktualität und Vollständigkeit (ältere und neuere Artikel können auch gelesen werden). Die Frage muss also sein, warum die Mühe auf sich genommen wird, durch die Striche auf die Buchstaben zu schauen.
Das Filmmagazin wird als Illustrierte wahrgenommen. Daran scheinen auch die Bilder, die Striche sind, nichts zu ändern. In einer Illustrierten verschmelzen Bild und Text und überlagern sich, was weder beim Betrachten der Bilder noch beim Lesen der Texte stört. Diese Erwartung an die Form wird auch an das Filmmagazin getragen, dass sowohl Text als auch Bilder in ihrem ungestörten Nebeneinander rezipiert werden können. Das Filmmagazin wird als Illustrierte wahrgenommen. Die Imagination, dass es sich bei dem Filmmagazin um eine Illustrierte handelt, funktioniert, das Einnehmen einer Position funktioniert, die nicht eingenommen wird. Die störenden Striche werden als erwartete Bilder (die dazugehörenden Illustrationen) wahrgenommen und nicht als etwas eigenständiges (man könnte etwa den Text als Teil des Bildes sehen, der als solcher nicht mehr gelesen werden müsste, sondern mit den Strichen einzig angeschaut werden müsste).
Die Bilder des Filmmagazins sind auch normale Illustrationen, die sich anständig den Erwartungen an die Form fügen. Die Bilder stellen einen Gegenstand dar und unterstützen damit den Inhalt, der im Text geschildert wird. Es handelt sich um das durchschnittliche Verhältnis zwischen Text und Bild einer Illustrierten. Nur, dass die Farben und Details und Formen der realistischen Imagination herkömmlicher Darstellungen nicht eingehalten werden. Ein Gegenstand wird als schlichte Form – als platter Umriss – abgebildet. Der Unterschied zur ersten Nummer des Filmmagazins ist, dass bei dieser Reduktion auf die Form – und darauf wie Formen unterschieden werden – nicht stehengeblieben wird, sondern der ordnende Blick auf die Gegenstände selber zur Darstellung kommt. Die Gegenstände und die Formen bilden den Ausgangspunkt für Raster. Die Form zieht sich vom Gegenstand ausgehend in vier Richtungen wiederholend über die Seite und überschneidet sich mit den Rastern, die von den anderen Formen ausgehen. Der ordnende Blick, der im realistischen Blick hinter Farben und Details und Formen verschwindet, wird sichtbar. Die realistische Abbildung der Illustrierten, die einverstandenes Werbemagazin und oberflächliche Darstellung ist, wird nicht nur durch Abstraktion (die Darstellung der Möglichkeiten Darzustellen), sondern auch durch das Sehen der Gegenstände ersetzt.
Damit werden die Erwartungen an die Form Illustrierte gebrochen und verletzt. Text und Bild stehen nicht mehr in dem störungsfreien Verhältnis, sondern die Striche stören beim Lesen: verunmöglichen das Lesen und die ungestörte Informationsaufnahme der Texte. Oder allgemein gesagt: den Genuss der Illustrierten. Die angestrebte Absicht und das Erkennen des Filmmagazins als Magazin lösen sich auf.
Und was soll das? Die üblichen Punkte. Medienkritik, abstrakte Darstellung von Gegenständen – die Bildkritik ist. Und auch schon bekannt ist, dass es dazu kommt, während die herkömmliche Form vollzogen wird: es wird konkretes dargestellt, es wird ein Magazin gestaltet. Das Kritisierte wird im Vollzug des Kritisierten dargestellt, das Filmmagazin ist immanente Kritik.
Der anfängliche Versuch des Lesens des Magazins ist Ausgangspunkt, man meint es mit einem Magazin zu tun zu haben. Nur die erwartete Rezeption löst sich nicht ein: Die Striche stören, der Text kann nicht gelesen werden – ist aber trotzdem vorhanden. Im Lesen eines Magazins entfernt man sich vom Lesen eines Magazins, die Besonderheit des Filmmagazins fällt auf.
Das Filmmagazin findet sich auf kochverein.at zu download (https://www.kochverein.at/medien/extrablatt-verlag/)
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