Speis. Inc, eine Vorstellung
Speis. Inc, eine Vorstellung
Wie entsteht ein Verlag? Jemand schreibt oder macht ein Buch. Dann macht diese Person ein weiteres Buch und so weiter und so weiter. Dann fragt die Person sich, wie sie ihre unterschiedlichen Bücher verbinden könnte. Was das Gemeinsame zwischen Reiseführer, Krimi, Zeitschrift und Kochbuch sein könnte. Und in diesem Augenblick ist der Verlag gegründet. Das Verbindende ist der Verlag, dass eine Person die Bücher bearbeitet und herausgeben hat. Das Unterschiedliche bekommt ein gemeinsames Dach, das für alle Verschiedenheiten Platz bietet. Und dabei darf nicht vergessen werden, dass keine Person als Verbindung erscheint, sondern ein anonymer Name eines Verlages: Ein Unternehmen zeichnet für die Bücher verantwortlich, hinter dem sich versteckt werden kann und das vorgegeben verantwortlich gemacht werden kann.
Wenn man das Medium verrückt, dann ist der Verlagsgründungsprozess kein anderer, nur der Name ist ein anderer. Im Bereich modernerer Medien (Film, Musik) spricht man von einer Produktionsfirma, doch eine Person macht zuerst das eine, dann das andere und fragt sich nach der Verbindung. Und schon ist der Verlag unter dem Titel Produktionsfirma gegründet.
Die Variablen können mit Leben gefüllt werden. Zuerst die Person: Lukas. Dann das erste Erzeugnis: Harpinger. In diesem Fall handelt es sich um Musik. Dann das zweite Erzeugnis: Nuke the Duke. In diesem Fall handelt es sich um Musik. Dann das dritte Erzeugnis: Blind Fist. In diesem Fall handelt es sich um einen Film. Dann das vierte Erzeugnis: Robokopf. In diesem Fall handelt es sich um Musik. Dann das fünfte Erzeugnis: Der Wiener Würger. In diesem Fall handelt es sich um einen Film.
Diese Liste hat keinen Anspruch auf (chronologische) Richtigkeit und schon gar nicht auf Vollständigkeit. Doch die Vielschichtigkeit der Produkte einer Person sollte eindeutig geworden sein. Damit wären wir bei der Frage der Verbindung.
Zuerst wird mit Shark the Harp musiziert, dann ist Shark the Harp nicht da, dann kommt diese oder jene Person hinzu und geht wieder und alle haben mit der einen Person zusammengespielt. Das ist die erste Verbindung. Doch beim Mitmusikanten als Verbindung bleibt es nicht. Denn die anderen bedienen zwar die Instrumente, doch nicht das, was nach dem Spielen kommt – oder schon davor und währenddessen steht. Denn jemand muss die Mikrophone aufstellen und einrichten und jemand muss auf die Taste drücken, dass die Aufnahme beginnt und jemand muss aus dem Aufgenommenen ein Produkt machen. Das ist die zweite Verbindung, die sich durch die vielschichtige Liste an Projekten zieht. In dieser Verbindung ist die Charakteristik der Produktionsfirma getroffen.
Gäbe es die Produktionsfirma nicht, könnte man kaum von einem Lied sprechen, ganz zu schweigen von einem Album (und mit dem Bereich des Filmes fangen wir gar nicht erst an, da die Arbeiten der Postproduktion aufzuzählen). Die Produktionsfirma beginnt im Detail, dass die beste Aufnahme verbreitet wird, und endet im technischen Bereich (auf CD brennen, auf youtube hochladen), die Verbreitung möglich macht. Gäbe es die Person nicht, gäbe es kein Produkt, gäbe es nur unverbundene Einzelheiten. Die Produktionsfirma fügt zum einzelnen die das Produkt rezipierbar machende Form hinzu.
Die Handschrift der Produktionsfirma könnte in all den unterschiedlichen Produkten konkret ausgemacht werden; die Produkte unterscheiden sich von der Produktion einer anderen Person. Doch nicht nur der konkrete Unterschied ist es, der die eine Produktionsfirma besonders macht, sondern es ist der gleiche Stempel, der sich auf all den Produkten findet, als die schlichteste Stufe der Verbindung des Verschiedenen.
Der Stempel, der Name, ist eine zufällige – aus persönlichen Gründen kommende – Bezeichnung. Weil sich der Firmensitz nun einmal in Speising befindet und Speising nicht nur nach Speise klingt, sondern sich auch die Bezeichnung amerikanischer Firmen sich so gut integrieren lässt. All das sollen die schwer wiegenden Gründe sein, die in diesem Fall für einen Namen sprechen, im nächsten für einen anderen und doch einen notwendigen Grund abgeben, warum der Name genau so sein muss. Bleiben tut aber, dass im Namen die Firma steckt, es sich beinahe um eine kalifornische Produktionsfirma handelt.
Und fertig ist der Gebrauchsgegenstand Produktionsfirma.
P.S. Dass man es mit einer Firma zu tun hat, hat auch den erheblichen Vorteil, dass man es nicht mit seinem eigenen Namen zu tun hat. Eine Firma spannt das Schutzschild des Pseudonyms über einen, man kann in scheinbarer Verantwortungslosigkeit mal dies mal das machen.
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