Zwei Nebenprodukte eines Semesters -- Foto und Theater
Zwei Nebenprodukte eines Semesters -- Foto und Theater
Foto:
Trabant und Tafel – Autómosás/Autowäsche in einer Nebenstraße?
Warum wird ein Geschäftsschild in unter anderem deutscher Sprache in einer Nebenstraße aufgehängt? Ein Geschäftsschild ist nicht zufällig gestaltet und hängt nicht zufällig an einem Ort. Es dient der Orientierung, um zu einem bekannten Ort zu finden (hier ist das Geschäft), oder der Werbung für ein unbekanntes Geschäft (vorbeikommende Autos werden angesprochen). In der Größe und Gestaltung dieser Tafel steht die Werbefunktion im Vordergrund, an eine Laufkundschaft wird sich gerichtet. Laufkundschaft ist in einer Nebenstraße grundsätzlich geringer und besonders, die einer speziellen Gruppe (deutschsprachige Menschen) – sie würde eher mit Durchzugsstraßen verbunden werden. Aber ein Geschäftsschild ist nicht zufällig gestaltet und nicht zufällig aufgehängt: genau so wie das Schild ist und wo es ist, muss es für das Geschäft einen Sinn machen. Dass die Tafel an diesem Ort steht, müsste dann bedeuten, dass im vergleichsweise geringen Verkehr der Nebenstraße, Autos vorbeikommen, die einzig durch den deutschen Hinweis angesprochen werden. Eine Situation, die für die Gegenwart ausgeschlossen werden kann. Warum wird ein deutschsprachiges Geschäftsschild in einer Nebenstraße aufgehängt?
Das Schild kommt aus einer vergangenen Zeit (80/90er Jahre?). Wie die Zeit sich verändert hat, kann sich auch Straße und Gesellschaft um die Tafel herum verändert haben, dass das Schild nicht immer schon irgendwie fehl am Platz wirkte.
Die Straße muss nicht immer Nebenstraße gewesen sein. Das kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Immerhin heißt die Straße Dózsa György Straße, also ein Name mit größerem Renommee in früherer Gesellschaft. Der Name wird nicht der kleinen Einfamilienhausgasse zugeordnet gewesen sein, die die Gasse heute ist – die gleiche Straße kann eine gewesen sein mit mehr Verkehr (mit mehr deutschen Autos), mit mehr Bedeutung; um dem großen Namen gerecht zu werden. Eine Bedeutung, die heute kaum mehr vermutet werden kann. [So wie sich grundsätzlich das Zentrum von Pécs verschoben hat: Von den Bergwerken (in deren Richtung auch die Dózsa György Straße führt) zurück in die historische Stadt.]
Es können grundsätzlich mehr deutsche Autos auf den Straßen Pécs gefahren sein und so auch in der Nebenstraße. Die Bevölkerung hat sich geändert: In vergangener Zeit wurden mehr Menschen von einer deutschsprachigen Aufschrift angesprochen. Sowohl solche Personen aus der deutschen Minderheit (für diese könnte sich vorgestellt werden, dass die deutsche Aufschrift als besonderes Werbeargument dient, die dieses Geschäft vor anderen mehr oder weniger identen auswählen lässt), als auch Touristen oder andere Personen, die auf Zeit an diesem Ort sind. Die Zahl der Personen der deutschen Minderheit, besonders in Verbindung mit der Sprache, ist rückläufig. Die Zahl der deutschen Touristen nach Pécs (nach Ungarn) wird größer gewesen sein. Mehr Menschen mit Verbindung zur deutschen Sprache werden unterwegs gewesen sein, auf der Suche nach einer Autowäsche.
Das Schild kommt aus einer anderen Zeit, in der auch in der Nebenstraße (?) deutsche Autos angetroffen und angesprochen werden konnten. Das Schild ist Zeichen von Veränderung.
[Dieser Text ist aller Wahrscheinlichkeit nach falsch.]
Theater:
Theater-Text Mama muss weg
Die Deutsche Bühne Ungarn brachte diese Saison die Komödie Mama muss weg ins Universitätstheater von Pécs. Amanda Sthers und Morgan Spillemaeckers Stück spitzt eine alltägliche Situation in der Steigerung der Komödie zu. Es gibt Streit zwischen den erwachsenen Kindern und ihrer Mutter: Was sollte schon anders als das Geld der Grund dafür sein. Die vorgeschlagene Lösung, und der Konflikt während des Stückes, sind hingegen weniger alltäglich. Die Mutter soll umgebracht werden. Ob man das machen darf und welche Vorteile es bringen würde, darüber streiten sich die Geschwister untereinander – in auf Pointen zugespitzten Dialogen und Bewegungen.
Natürlich kann man jetzt entgegnen, dass die eindeutige Behandlung eines ‚Problems‘ und die heitere Behandlung dieses billig seien und vielleicht auch nicht immer passend umgesetzt werden (ein Beispiel dafür wären etwa die Gesangseinladen, die im besten Fall als Parodien durchgehen würden). Man könnte mit diesen Punkten auch durchaus recht haben, aber würde damit gleichzeitig an der Aufführung vorbeigehen. Eine Komödie kann nicht kritisiert werden, weil sie eine Komödie ist.
Vielmehr kann gefragt werden, welche Elemente sich in der Komödie mit ihren Pointen und Einlagen finden und die Komödie mit anderen Formen der Kunst verbindet. Im Stück und in der Komödie wird gar nicht versucht eine realistische Situation zu zeigen, sondern jede Ebene ordnet sich der Unterhaltung und dem Herausstreichen des Problems unter. Eine erlebte und bekannte Situation wird verändert, dass man über sie lachen kann. Es kommt zu Veränderung.
Damit wird ein Verfahren angewendet, das grundsätzlich Teil von Kunst ist; als Verallgemeinerung, Entfremdung, Verzerrung, Abstraktion, Erzählen sich auch in ernsten Auseinandersetzungen findet. In der Komödie treten nicht solche Leute einem entgegen, wie wir sie zuhause im Konflikt mit unseren Eltern oder Kindern selber erleben, sondern eigenartige Witzfiguren treten auf, deren Handeln nicht darauf ausgeht mit dem Konflikt umzugehen, sondern Spaß damit zu machen.
Da es so offensichtlich und handgreiflich zu Veränderung kommt, wird das Stück interessant; wird wahrscheinlich überhaupt die Form des Theaters interessant. Obwohl auf der Bühne angreifbare Menschen handeln, ist ihr Handeln so sehr aus dem Kontext gelöst, dass eine Aufführung nur als Veränderung erscheinen kann. Eine Veränderung, die in der durch Kino, Fernsehen, Internet viel öfter erlebten Form des Films eher zu verschwinden droht, nicht zur Aufmerksamkeit kommt. Das Theater wird schwerer als unmittelbare Realitätsdarstellung erkannt, als das etwa bei einem Film der Fall ist.
Durch Theater und Stück tritt eine übliche Methode der Kunst deutlich an die Oberfläche und kann behandelt werden, genauso wie inhaltlich die Frage der Umkehr und Interpretation. Die Frage, wie das Kunstwerk mit eigener Erfahrung oder Erfahrung allgemein zusammenhängen kann, stellt sich einfacher. Besonders für die fremdsprachliche Situation, in der die Deutsche Bühne Ungarn auftritt, und für ein junges Publikum, Zielpublikum ist in erster Linie neben der Universität Schulen, können für das Stück ganz neben der Aufmerksamkeit auf Details der Aufführung wichtige Punkte erkannt werden. Damit wird zwar keine Aussage über das Stück selbst getroffen (also ob es sich um ein gutes oder schlechtes Stück handelt, ob es sich lohnt es anzuschauen oder nicht), aber eine über die pädagogische Verwendung des Stücks.

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