Das Ferienparadies als Staatsform

 

Das Ferienparadies als Staatsform


Das Ferienparadies ist ein Ort, der in erster Linie von Menschen verwendet wird, die nicht dauerhaft an diesem Ort sind. Vorstellungsbild ist die Urlaubsregion: Der See wird nur im Sommer verwendet, in dieser Zeit reisen Menschen von anderen Orten an, um ihre Ferien zu verbringen. Auf diesen Höhepunkt in der Verwendung ist die lokale Infrastruktur ausgerichtet, somit auf einen Ausschnitt des Jahres. Für das restliche Jahr und für die wenigen verbleibenden Menschen ist das Angebot zu groß, es liegt unverwendet da, übt aber damit einen andauernden Einfluss aus; die kurze Zeit zwingt sich dem Alltag auf. Ferienparadies bedeutet ein Missverhältnis zwischen Angebot und Verwenden; ein grundsätzlich disfunktionaler Ort ist das Ergebnis.

Die bisherigen Texte des Schmetterings zum Ferienparadies verwenden das Bild des Ferienparadieses dazu, um über Ungarn zu sprechen. Das konkrete Ferienparadies am See (Balaton) wird zur Metapher, die in ihrer Indirektheit eine Eigenschaft des Landes ausmachen und beschreiben soll. Das Unverwendete, das allgemein im Land besteht und es prägt (aus Veränderung, Entleerung, unverwirklichten und gescheiterten Plänen) und der damit zusammenhängende Zwang auf die anwesenden Menschen wird zum gemeinsamen Punkt zwischen Land und Ferienparadies: Ungarn wird als Ferienparadies beschrieben – als nicht funktionierender Ort.

In den bisherigen drei Texten zum Ferienparadies waren konkrete Orte oder Gebäude Ausgangspunkt. Die Abstraktion zur allgemeinen Eigenschaft ergab sich aus der Interpretation des Ortes. Jetzt in dem vierten Text ist der Gegenstand ein anderer und auch das Verhältnis umgedreht. Das Allgemeine ist Ausgangspunkt, zu dem Beispiele hinzugefügt werden. Der Gegenstand ist Malta.


Malta hat etwas mehr als 500.000 Einwohner, die auf der kleinen Insel zwischen Italien und Tunesien leben. Sowohl durch die natürlichen Bedingungen als Insel als auch politisch als eigener Staat ist Malta von seiner Umgebung getrennt; und doch handelt es sich, auch im europäischen Vergleich, um einen Ort in der Größe einer nicht besonders großen Stadt. Kleinheit und Getrenntheit sind ein Gegensatz, der aber die gleichzeitige Eigenschaft der Insel bildet.

Der Gegensatz ist nicht nur in politischer Hinsicht eine eigenartige, nicht erwartbare, Eigenschaft: Als Mitgliedsstaat der EU hat Malta in gewissen gemeinsamen Entscheidungen den gleichen Stellenwert wie die größten Mitgliedsstaaten – wenn über außenpolitische oder grundsätzliche Themen entschieden wird, muss Einstimmigkeit bestehen. In durchschnittlichen Entscheidungen, in denen eine qualifizierte Mehrheit erreicht werden muss, ist ein Kleinstaat wie Malta durch den Abstimmungsschlüssel zumindest überrepräsentierten.

Der Gegensatz besteht auch in anderen Bereichen: wirtschaftlich oder allgemein ausgedrückt gesellschaftlich. Dass die moderne spezialisierte Gesellschaft alle ihre Rollen aus einer halben Million Menschen besetzen kann, und auch dafür bezahlt werden kann – also für die entsprechende Ausbildung, Wissen, Effizienz, Infrastruktur aufgekommen werden kann – ist erstaunlich. Dass in einer Konsumgesellschaft, mit ihrer Erwartung an alle vorstellbaren Waren, diese verlässlich auf einer Insel mit 500.000 Menschen zugänglich sind, und das zu einem zum großen Festland verhältnismäßigen Preis, ist erstaunlich.

Trotz der Schwierigkeiten und des Unerwarteten scheint in Malta der Gegensatz zwischen Selbstständigkeit und Kleinheit gelöst. Malta ist ein funktionierender Staat, der seinen Einwohnern entsprechende Bedingungen bieten kann: Gesellschaft und Wirtschaft funktionieren.


Blickt man in die Geschichte zurück, wird man aber kaum überrascht sein, dass zu einer anderen Zeit der Gegensatz zu einem anderen Ergebnis führte. Kleinheit und Abgeschiedenheit ergaben Abhängigkeit; Malta war Kolonie.

Zwischen 1814 und 1964 war die Insel Teil des britischen Kolonialreiches. Davor stand Malta ebenfalls in verschiedenen Abhängigkeiten, auch wenn die Zeit der Herrschaft des Johanniterordens (1530-1798) über die Insel als eine gewisse Ausnahme bezeichnet wird. Aber bei einem internationalen (katholischen nicht nationalen) Orden als Herrschaftsschicht kann man ebenfalls kaum von unabhängiger Selbstherrschaft sprechen. Die Herrschaft des Ordens verfolgt Interessen, die zeitweise bzw. grundsätzlich jenseits der Insel liegen.

Die Ferne der Herrschaft und somit Abwesenheit von Interessen sind grundsätzliche Eigenschaften des Kolonialismus. In ihm werden Entscheidungen getroffen, die letztlich nicht lokalen Interessen entsprechen, sondern solchen, die nie oder nur teilweise anwesend sind. Der Ort wird diesen Interessen entsprechend organisiert. Das bedeutet für die Anwesenden, dass sie in einem Gegensatz zu der Organisation stehen, diese für sie offensichtlich einen Zwang darstellt. Die Eigenschaften der Abwesenheit und des Zwangs verbinden das politische System des Kolonialismus mit dem Ferienparadies. Den politischen Bereich betreffend ist Kolonie die Bezeichnung des Ferienparadies.

Wird die jeweilige Kolonie den verschiedenen imperialistischen Absichten entsprechend gestaltet, bekommen die verschiedenen Kolonien verschiedene Rollen. Im Fall von Malta kann darunter kaum die Ausbeutung von Rohstoffen oder anderer Ressourcen verstanden werden, also wirtschaftliche Interessen. Vielmehr sind es solche, die die Position der Insel betreffen; im zentralen Mittelmeer in der relativen Engstelle zwischen Sizilien und Tunesien liegend. Die strategische Position macht den Ort militärisch und für den kommerziellen Schiffsverkehr interessant und bedeutend. Malta wird von der kolonialen Macht als Militär- und Handelsstützpunkt gestaltet – in der Orte verbindenden Funktion geht das koloniale Interesse notwendig an dem konkreten Ort vorbei.


Die Organisation Maltas als Ferienparadies in der langen kolonialen Periode ist auch heute im Erscheinungsbild der Insel sichtbar. Die Gründerzeit in der Verbauung der Insel fällt in diese Periode, genauso wie der Wiederaufbau der Insel nach dem Zweiten Weltkrieg. Also prägende Abschnitte der Geschichte der Insel sind mit der britischen Herrschaft verbunden. Besonders der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war angesichts der Zerstörung folgenreich: Malta zählte zu den Orten, auf die die meisten Bomben geworfen wurden. Über Jahre (1940-1942) belagerten, blockierten und bombardierten das faschistisch italienische und das nationalsozialistisch deutsche Militär die Insel. Trotz der für die Alliierten exponierten Lage, bzw. der Nähe zu Italien und dem besetzten Nordafrika gelang die Eroberung nicht, womit die Alliierten den Nachschub zum Eroberungsfeldzug in Nordafrika erheblich stören konnten. Auf der anderen Seite war die Zerstörung und die Opfer durch Bombardierung und Mangel an Gütern groß. Und somit die Notwendigkeit zu Wiederaufbau und Neuerrichtung. Das moderne Malta wurde in der Nachkriegszeit und somit in der kolonialen Periode begründet.

Die augenfälligste Verbindung in die koloniale Vergangenheit ist die Allgegenwärtigkeit von militärischen Anlagen – also die Gestaltung der Insel als Militärstützpunkt. Die ganze Insel ist mit einem Wachturmsystem umgeben, viele Landzungen ins Meer laufen auf eine Festung zu und die Hauptstadt Valletta ist eine einzige Burg. Die militärischen Anlagen kommen aus den verschiedenen (kolonialen) Perioden; also nicht nur aus der ‚Kreuzritterzeit‘, mit der Malta so oft verbunden wird. Die Befestigung Vallettas gegen das Meer besteht etwa auch aus Betonbunkern: Auch im 20. Jahrhundert, in der Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde die Insel militärisch genutzt und somit für andere genutzt. Die kolonialen Spuren sind bis heute sichtbar.

Das betrifft auch den zivilen Bereich, die Städte, bzw. genauer gesagt den Unterschied zwischen den Städten. Valletta, das als Zentrum und Herrschaftssitz geplant und gebaut ist, ist durch einen komplett regelmäßigen Rastergrundriss geprägt, der sich auch nicht durch Höhenunterschiede oder die unregelmäßige Küstenform stören lässt. Sind die Steigungen zu groß für eine Straße, wird an dem Raster festgehalten nur die Form gewechselt: Die Regelmäßigkeit wird als Stiege oder Brücke ausgeführt. Das Problem der Küstenlinie ist durch eine Ringstraße gelöst, die auch eine getrennte Erschließung der Küste – und so der Hafenanlagen – und der Verteidigungsanlagen ermöglicht.

Der regelmäßigen und geplanten Form von Valletta steht das Erscheinungsbild der umgebenden Städte entgegen – etwa Sliema. In ihnen ist keinerlei Plan oder Regelmäßigkeit zu entdecken, weder im Grundriss der Stadt noch in der Verbauung. So als ob die anderen Orte, den nicht nachvollziehbaren Regeln von organischem Wachstum folgend entstanden sind; so als ob es zu einer unmittelbaren Umsetzung von Bedürfnissen gekommen wäre: Veränderung oder Erweiterung wurde so umgesetzt wie es im Augenblick benötigt wurde.

Es besteht ein offensichtlicher Gegensatz zwischen Zentrum und Umgebung, zwischen Planung und einer Art von spontanem Entstehen. Zu beiden Modellen der Stadtentwicklung kam es in der kolonialen Zeit und sie können auch beide als typisch für diese betrachtet werden. Die koloniale Herrschaft gestaltet nur Bereiche, die sie braucht und die sie unmittelbar angehen. Das Zentrum als Herrschaftssitz wird geplant, um den eigenen Vorstellungen von Sicherheit, Ordnung und Schönheit zu entsprechen – die vollständige Regelmäßigkeit, Sterilität und Künstlichkeit des Rasters ist Ausdruck davon. In den umgebenden Bereich wird hingegen nicht eingegriffen, er nicht städtebaulich gestaltet. Das Interesse dafür, wie die lokale Bevölkerung ihren Wohnort gestaltet, würde nur eine Ablenkungen von den eigenen an einem anderen Ort liegenden Interessen bedeuten. Soll die Insel als Handels- und Militärstützpunkt gestaltet werden, ist es nicht relevant, wie die Wohnbereiche der lokalen Bevölkerung gestaltet sind.

Der Gegensatz zwischen Herrschaftsstadt und Wohnstadt drückt sich auch in über die Insel verteilt liegende Paläste aus. Einzelne wichtige Personen finden Orte, die ihnen entsprechen, bzw. die sie sich aneignen können und errichten an diesen speziellen Orten Häuser für sich. Als Paläste ausgeführt drücken sie die Wichtigkeit und Macht der Person aus und den kolonialen Unterschied zur lokalen Bevölkerung. Speziellen und fernen Interessen folgend wird die Insel nicht in einem Zusammenhang geplant, sondern punktuell, an herausragenden Orten werden geformte Gebäude errichtet.

Die riesigen Prunkgebäude aus der britischen Kolonialzeit treten einem auch heute noch in dem protzigen und abstoßenden Stil des Imperiums entgegen; so als ob der Charakter als Repräsentations- und Herrschaftsarchitektur besonders unterstrichen werden müsste. Klassische antike Formen werden wild kombiniert und ins Überdimensionale aufgeblasen, dass die repräsentativen Zwecke erreicht werden und die Paläste als besonderes aus der Landschaft und der durchschnittlichen Verbauung herausstechen.


Organisation und Aussehen von Malta als Ferienparadies drückt sich allerdings nicht nur durch Strukturen und Überbleibsel aus der kolonialen Vergangenheit aus, sondern auch durch gegenwärtigere Elemente. Dass es sich bei Malta trotz der doppelten Abgeschiedenheit (als kleiner Staat und Insel) um eine selbstständige und unabhängige Einheit handelt – also dass es sich trotz des Gegensatzes um einen funktionierenden Staat handelt – wird auch in der Gegenwart mehr zum Vorgegebenen als wahrlich Bestehendem. Das, was zuerst als unerwartete Lösung eines Gegensatzes in einen souveränen Staat erschien, verdreht sich hin zur erwarteten und naheliegenden Abhängigkeit. Das aus der Geschichte bekannte Motiv setzt sich fort, wenn es sich nicht gar um ein für den kleinen Inselstaat notwendiges Verhältnis handelt.

Auf der politischen Ebene kann es sich beim Zugestehen einer zu den großen EU-Staaten gleichwertigen Stimme nur um ein scheinbares Zugestehen handeln. Dass ein Staat in der Größe einer mittelgroßen Stadt weitreichende Entscheidungen verhindern kann, ist eine absurde Vorstellung. Folge ist, dass die theoretische Möglichkeit zur Verhinderung nicht wahrgenommen werden kann. Konkret, wie Malta bei EU-Entscheidungen abstimmt, zeigt diese scheinbare Gleichstellung auch. Widerspricht Malta einem Beschluss, enthält es sich der Stimme. Durch diese Methode werden Beschlüsse nicht verhindert, gleichzeitig nimmt man sich (scheinbar) aus der Verantwortung für die Entscheidung; man hat ja nicht zugestimmt. Gültig wird der Beschluss allerdings trotzdem für einen, es kann einzig ein konsequenzloses Zeichen einer abweichenden Meinung ausgedrückt werden. Beispiel für Interessens- und Meinungs-Abweichungen wäre etwa, dass Malta bei Beschlüssen von Sanktionen gegen Russland sich enthielt; genauso wie es in den Themenbereichen Steuern, Migration oder Fischerei zu enthaltenen Unterschieden kommt. Diese Themen sind wichtige für Malta, was klar macht, dass selbst dort nicht auf die eigene Position beharrt werden kann.

Das de facto eingeschränkte Stimmrecht muss aber (selbstständig) akzeptiert werden: aus wirtschaftlichen, politischen und ganz allgemein aus gesellschaftlichen Gründen. Das Wirtschaftsmodell der Insel einerseits um den Tourismus, andererseits als Firmensitz und Wohnort (also mit Steuern verbunden) würde ohne EU nicht funktionieren. Die Wirtschaft ist auf die Ausweitung des Inselmarktes und die ‚Freizügigkeiten’ der EU angewiesen. Könnte man nicht einfach in das Land einreisen, oder sich einfach niederlassen oder eine Firma gründen, würde das wirtschaftliche Einschränkung, wenn nicht gar Verunmöglichung, bedeuten. Auch in der Hinsicht, dass keine oder nur sehr teure Waren zur Verfügung stehen würden und darin, dass die Bevölkerung der Insel nicht ausreichend Arbeitskräfte für ein Funktionieren der Insel anbieten könnte. Wie Touristen und Waren eingeführt werden, so muss auch das Personal der Tourismusindustrie wie für andere Dienstleistungen eingeführt werden; die kleine Wirtschaft kann auf einen kontinentalen Arbeitsmarkt zurückgreifen.

Vergleichbar ist die selbstständige Abhängigkeit im militärischen Bereich gültig. Malta ist ein neutrales Land, das sich allerdings nicht auf den impliziten Schutz der es umgebenden Länder verlassen kann (wie Österreich oder in gewisser Hinsicht auch Irland – diese beiden Länder sind die weiteren neutralen EU-Mitglieder). Vielmehr liegt es im Zentrum einer Konfliktregion: In den afrikanischen Nachbarländern herrscht entweder offen Bürgerkrieg (Libyen) oder ein autoritäres Regime steht den gesellschaftlichen Problemen entgegen (Tunesien); gleichzeitig liegt das Land in einer Engstelle des Mittelmeers zwischen Afrika und Italien und so in der Mitte von Migrationsbewegungen. Das kleine Land müsste also enorme Anstrengungen aufwenden, um in der Konfliktregion seinen neutralen (und so selbstständigen) Status aufrechtzuerhalten. Etwas, was sowohl personelle als auch finanzielle Möglichkeiten übersteigen würde, und somit gar nicht versucht wird. Vielmehr befinden sich auf der Insel italienische Soldaten, was Ausdruck davon ist, dass die Insel unter dem Schutz des großen europäischen Nachbars steht. Ein anderes Land bewahrt die Neutralität, womit die Neutralität nicht eigenes und Selbstständigkeit ist, sondern vorgegebenes und scheinbares.


Die Aufgabe von Selbstbestimmung ist notwendiger Teil um Selbstbestimmung aufrechtzuerhalten. Als selbstständiger Staat muss Malta sich für andere organisieren. Es muss die eingeschränkte Rolle des kleinsten EU-Mitgliedlandes akzeptieren, um wirtschaftlich überleben zu können, wodurch es zum zeitweisen und fremden Ort wird: Der Tourismus ist an Zeiten (Sommer) und fremde Menschen gebunden, wie die Einfuhr von Waren und Arbeitskräften; genauso wie vorteilhafte Steuersätze mit Abwesenheit zusammenhängen – das Geld wird an einem anderen Ort verdient, Unternehmen und Personen befinden sich an einem anderen Ort. Auf der Insel befindet sich nur der buchstäbliche Briefkasten, wie das Hotelbett.

Im Fall des Tourismus wird die Abhängigkeit besonders dann offensichtlich, wenn man jenseits der Saison die leeren Hotels und die restliche Tourismusinfrastruktur sieht. Im besten Fall wird an den im Sommer verwendeten Orten gebaut, sie für die erneute Verwendung vorbereitet. Sonst stehen sie schlicht leer. Ganze Stadtteile oder Inselteile liegen brach und stellen keinen Nutzen für die momentan anwesenden Leute dar. Die Architektur des Sommers zwingt sich ganzjährig auf. Verdreht drückt sich die Ausrichtung auf die Ferien darin aus, dass Einrichtungen, die für den Winter benötigt würden, fehlen: Fällt der Regen des Winters, stehen die Straßen unter Wasser; ist es kalt, zieht es durch die undichten Fenster in die Häuser – es ist egal, die Häuser und die Insel werden nur für den Sommer benötigt. Der Ort ist ein disfunktionaler.

Für die Büroarchitektur oder die repräsentativen Orte des Geschäfts mit dem Briefkasten kann die gleiche Leere behauptet werden. Ergebnis ist nicht nur die teilweise Nichtverwendung, sondern Außendarstellung dienend finden sich die Geschäftsorte an herausragenden Orten, womit sie doppelt an andauernder Verwendung vorbeigehen. Neben dem verborgenen Bereich des Geschäfts zeigt sich die Disfunktionalität des Ortes auch aus der Not nach Arbeitskräften entstehenden Form des Zusammenlebens der Menschen. Von (europäischen) Orten kommen am dritten Ort (Malta) Menschen zusammen. Mit dem gewählten Ort teilen die Menschen keine Gemeinsamkeit, halten sich aber trotzdem dort auf und gehen einer Arbeit nach. Trotz der Möglichkeit zu bleiben, ist Resultat der mangelnden Verbindung zeitweiser Aufenthalt. Fremdheit (fehlende Gemeinsamkeit) und die bereits voraussehbare neuerliche Abwesenheit prägen das Verhältnis zum Ort. Gleichzeitig sind die Menschen an- und abwesend, womit sie nie dort sind. Die Arbeitskraft auf Zeit mag und wird nicht der dauerhaften Bevölkerung gleichgesetzt. Sprachlich zeigt sich das im Englischen, der alles verbindenden fremden Sprache; die aber doch gleichzeitig beim Unterschied bleibt: Einerseits zum lokalen Maltesisch, andererseits darin, dass es sich um eine unterschiedlich gut gelernte Sprache handelt.

Dass die Personenfreizügigkeit und auch die anderen wirtschaftlichen Möglichkeiten der EU so wichtig für die Insel sind, machen den Ort zu einem europäischen. Nur dass dieses Europäische selbst Abhängigkeit bedeutet, politisch und in seinen wirtschaftlichen Auswirkungen. Malta wird zur Vorgabe von Unabhängigkeit, nur dass selbstständige Entscheidungen Abhängigkeit und so Abwesenheit von Interessen bedeuten. Das Abhängigkeitsverhältnis der Kolonie, in dem Malta sich lange Zeit befand, verdrehte sich zwar, nur dass es in den Eigenschaften des Ferienparadieses weiterbesteht.

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