Aus Büchereien Garagen, Ruinen bleiben Ruinen

 


Aus Büchereien Garagen, Ruinen bleiben Ruinen: scheint das Motiv von Städten ohne Möglichkeiten zu sein. Pécs ist eine solche.


Für eine Bücherei aus der sozialistischen Zeit, die seit längerer Zeit leer stand, wurde jetzt eine neue Verwendung gefunden. Rundherum wurde ins Gestrüpp ein Parkplatz asphaltiert und in sie hinein eine Garage. Einzig nötige Anpassung für die neue Veränderung war ein Loch in die Wand zu brechen, dass die Autos hineinfahren können, und den Boden zu betonieren; alles sonst wurde in dem mehr und mehr ruinös werdenden Zustand der ehemaligen Bibliothek gelassen.

Ein Parkplatz stellt grundsätzlich die einfachste städtische Verwendungsmöglichkeit für eine Fläche dar. Kaum eine bauliche Maßnahme muss dafür gesetzt werden, der Betrieb bedeutet kaum Aufwand und Autos gibt es auch zu Hauf, dass sich um die Kunden nur wenige Gedanken gemacht werden müssen. Im Fall der Pécser Bücherei wird nicht nur die einfachste Möglichkeit gewählt, sondern sie noch einfacher gemacht – nicht einmal der Aufwand des Abrisses wird eingegangen. Der Ort wird nicht der anspruchslosen Form des Parkens angepasst, sondern das für die andere Verwendung errichtete Gebäude genommen und es beibelassend umfunktioniert, egal ob es sich als Garage eignet oder nicht. Der aller geringst mögliche Aufwand wird gewählt und umgesetzt.

Die Umfunktionierung bestehender Gebäude aus der sozialistischen Zeit, die aus verschiedenen Gründen ihre angestammte Funktion nicht mehr erfüllen, stellt mit der Büchereigarage keinen Einzelfall dar. Für die ehemalige Markthalle von Pécs bestehen vergleichbare Überlegungen. Fest steht, dass die Fläche als Parkplatz verwendet werden soll. Die Frage ist nur, ob der Aufwand des Abrisses eingegangen wird, oder ob auch in der möglichst einfachsten Version die Autos sich an die Stelle des Obsts und Gemüses stellen. Ob das Gebäude sich baulich an den Parkplatz anpasst.

Wenn das einzige, was einem einfällt für die Verwendung eines Gebäudes ein Parkplatz ist, dann hat eine Stadt grundsätzlich ein Problem. Nichts wird benötigt. Einzig das Abstellen von Autos kann verhinder, dass ein Ort zur brachen Fläche verwildert. Veränderung, Entwicklung, dass etwas neues gebaut wird, stellt eine Denkunmöglichkeit dar. Aber wenn nicht einmal das nicht mehr gebrauchte Alte entfernt wird, um die Fläche zum leeren Parkplatz zu machen, erreicht die Perspektivenlosigkeit neue Dimensionen. Die geringste Investition rechnet sich nicht, und wenn die Garage wie die Bücherei als Ruine belassen wird, wird das Gebäude so oder so bald einstürzen, dann bekommt man die leere Fläche für den Parkplatz billiger.

Städte der ungarischen Provinz, wie etwa Pécs, sind in ihrer Depression und ihrem radikalen Bevölkerungsrückgang an diesem Tiefpunkt angekommen, wo nicht einmal Parkplätze mehr gebaut werden.

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