704, Rückblick auf den ersten Abend des Kochvereins
704, Rückblick auf den ersten Abend des Kochvereins
Sagen wir es waren über den Abend verteilt sechs Personen auf der Bühne. Die Rechnung würde lauten: Drei aus dem Verein (Fred, Benedikt, Lukas), zwei für die Fragen (Stephan, Astrid), und ein Präsident (Roli). Aber wie viele Figuren waren auf der Bühne? Die Rechnung würde beginnen: der mehr oder weniger bekannte Wrestler Peppi Blech, der interessierte Moderator Stephan, der über Oberwölz schreibende Benedikt, die fragende Leserin Astrid, der Protokollschreiber Kurt K., der unklare ‚loser Ziegel‘, zählt der Tierarzt auch?, dann der singende und erzählende Kurt Kirchbichler, der über die verschiedensten Weltraum-Maschinen berichtet, dann der Historiograph Fred, die Trinkenden: Kurt Kirchbichler, Peppi Blech, Zuckergoscherl, ach, wie viele Leute kommen sonst im Film Ausgerockt vor: der Tote, die Verdächtigen, die Schuldige, der Ermittler Kirchbichler, einer von der Spurensicherung, ein Hausmeister, circa könnte man es so sagen, dann der Filmemacher und Schauspieler Lukas gemeinsam mit den Filmpartnern Fred und Benedikt in Nebenrollen, Wechsel in die nächste Filmwelt: Drunken Master, Schieber, Deadly Drummer, ein Bösewicht, noch ein Bösewicht, Blind Kenshy – schließlich ein Präsi. Wer soll das zusammenzählen? Auch ohne Endsumme ist bereits aus der Länge der Aufzählung klar, dass es etwas zu zeigen und gleichzeitig zu ordnen gibt. Besonders dann, wenn man bedenkt, dass von den vielen Rollen einen Großteil die drei Personen des Kochvereins verkörpern (allein in Ausgerockt Lukas alle Rollen abgesehen von zwei). Die Frage des interessierten Moderators, wer denn der sei, wie er heiße, was er mache, was sein Beruf, sein Hobby sei usw. ist in seiner Einfachheit berechtigt und benötigt, um sich zurechtfinden zu können, die Rollenwechsel einordnen zu können. Anders gesagt, um sich mit dem Kochverein auskennen zu können. Denn dieser hat eine eigene, verwobene, komplizierte Welt erschaffen, die unterschiedlich und verschmelzend mit der Realität ist, gleichzeitig Krimi und Kung-Fu, nebeneinander Kochen und Lesen und Singen, Protokoll und Erzählen, Text und Film, Brutalität und Zerbrechlichkeit. Die Sache entwickelt sich in gegenteilige Richtungen, hängt aber doch stimmig zusammen, wie die Teilung der Bühne in zwei Hälften nicht nur Störung und Ablenkung ist, sondern zusammengehörende Gemeinsamkeit. Verbindung ist nicht nur sozusagen die Biographie durch die gleichbleibenden drei Personen des Vereins, sondern auch intern, im Gegenstand selbst. Es ist eben ein Kirchbichler, der sich in die Ferne des Weltraums singt, nachdem er wienerisch sich in seine Depression ergeben hat, nicht weniger krank beruflich private Ermittlungsprotokolle schreibt, während er versucht mit seinem neuen Fall seine trunkenen Freunde zu unterhalten, und scheitert. Das, was in der Vielschichtigkeit und Gegensätzlichkeit nicht zusammenzupassen scheint, verbindet sich wie nicht anders möglich in eine Figur, eine vielschichtige und gegensätzliche Figur. Natürlich ist das bei der zentralen Figur Kirchbichler entwickelter, doch könnte es auch für Peppi und seine Erscheinungsformen oder Zuckergoscherl und seine Abwandlungen (vielleicht hin zu ‚loser Ziegel‘?) durchgegangen werden. Denn zusammengefasst kann man für Abend und so den Verein sagen: Der Rollenwechsel und die Vielschichtigkeit und die Gegensätzlichkeit und die Gleichzeitigkeit ist es. (Was das für eine Bedeutung und Relevanz hat, beantworte man selbst.)
Es gibt also etwas zu sehen, was man auch nachträglich noch machen kann. Für den ersten Teil des Abends kann die Gleichzeitigkeit in der Bühnen-Trennung hier überprüft werden (https://youtu.be/iLSz4RTKWak?si=IzBmK3q0axP5NHqX), für Ausgerockt können hier die Rollenwechsel angeschaut werden (https://youtu.be/Rk-Alri0e4c?si=vN2PnkXZhwLxB0F2) und schließlich für den Trailer von Blind-Fist 2 hier die Figurenankündigungen nachgezählt werden (https://youtu.be/N31Vcmyc8bA?si=vf5xafP3mGlhhvLv) -- ob Aufzählung und Zusammenrechnung dieses Textes stimmt.
PS. Um die Zusammengehörigkeit auch des schreibenden Kirchbichlers vorzuführen, vergleiche man folgende beide Zeilen – die von zwei unterschiedlichen tatsächlichen Autoren kommen (Lukas, Benedikt), aber in der dargestellten Welt jeweils Kirchbichler zugeschrieben sind.
In einem Lied von Kirchbichler heißt es: „Durch das Kaleidoskop zu sehen und die Schraube rein drehen – schwer.“
In einem Protokoll von Kurt K. heißt es: „Blieb und ist weiter verdeckt, aktiv.“
Reduktion der Sprache ist jeweils Eigenschaft, dass der Hauptsatz nicht ausgeführt wird, sondern dieser nur noch ein Adverb ist: Wie es ist die Schraube hineinzudrehen, bzw. wie er (‚loser Ziegel‘) ist – schwer, bzw. aktiv. Auch die Frage für wen es schwer ist durch das Kaleidoskop zu schauen und wer bleibt, verdeckt ist und aktiv ist, wird im Satz direkt nicht ausgedrückt, also die zentrale Frage des Handelnden, bzw. des Subjekts beantwortet. Von dem Standpunkt der Grammatik höchst mangelhafte Sätze. Aber auf keinen Fall vom Standpunkt der Ausdrucksmöglichkeit – ganz im Gegenteil. Und, ob man nun Kirchbichlers Lyrik oder seinen Protokoll-Stil betrachtet, es finden sich über die Autorengrenzen hinweg vergleichbare Eigenschaften, eine vergleichbare Ausdrucksart – die vielleicht auf eine allgemeine Verwandtschaft zwischen Lyrik und Protokoll zeigt, aber sicher auf die Verbundenheit in der Vielschichtigkeit der Rollen Kirchbichler zeigt.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen