Was der Schmettering ist.
Was der Schmettering ist.
1) Er heißt jetzt Schmettering. Der Schmetterling entstand als Zeitung im Fall Kamp, wo er sich in die Verdrehung der österreichischen Zeitungslandschaft einfügte: Ein Falter ist ein graues abstoßendes Tier, ein Schmetterling ist im Gegensatz bunt und beliebt. Trotzdem, der Schmetterling ist mit dem Falter verbunden. Diese Verbindung soll jetzt etwas gelöst werden (ohne die Tradition der Zeitung im Fall Kamp zu leugnen). Das l wird aus dem Namen genommen: aus Schmetterling wird Schmettering. Das l aus dem Schmetterling wird zerschmettert und nur in Bruchstücken bleibt der Falter erhalten. Dieses Bild ist Programm des Schmetterings.
Aus der Gewaltanwendung entsteht aber eine neue Verbindung: zur Speis-inc. Auch wenn Schmetter-inc und Speis-ing nicht ganz das Gleiche sind, wird jetzt auch in den Namen die Freundschaft und Verbundenheit dieser beider Unternehmungen ausgedrückt. Beide sind im Medienmarkt tätig, den sie sich freundschaftlich aufgeteilt haben. Während der Schmettering als Zeitung bei den Buchstaben bleibt, deckt Speis-inc als Filmproduktion die bewegten Bilder ab.
2) Der Schmettering berichtet aus einer anderen Welt. Wie im Fall Kamp sich ein Verbrechen entwickelte, das nie geschah, das gar nicht möglich ist, werden Nachrichten aus einer anderen Welt berichtet, die der unseren sehr gleicht. Die unmöglichen Verbrechen sind nicht so unmöglich. Der Schmettering führt den Zeitungsroman im engeren Sinn des Begriffs weiter (als Zeitung in Zeitung: Vgl. https://schmettering.blogspot.com/2020/12/uber-die-form-des-zeitungsromans.html), wie er mit der Doppelausgabe von Fall Rist (Maria Lazar, 1930) und Fall Kamp begonnen wurde. Weit ist hingegen der Begriff des Romans: Der Schmettering wird keine unmittelbar zusammenhängende Geschichte berichten und entwickeln, seine Artikel fügen sich nicht zu einer Erzählung zusammen. Die Welt, aus der der Schmettering berichtet, kann als ein anderes Wien benannt werden, diese Bezeichnung und Zuschreibung findet sich auch im Untertitel des Schmetterings.
3) Aus diesem anderen Wien wird das ganze Nachrichtenspektrum bedient: Im Schmettering finden sich von Sportberichten bis hin zu Artikeln zur internationalen Politik alles, auch wenn Lokalnachrichten und Rezensionen den Hauptteil einnehmen werden. Ein Fixpunkt ist der Dokumentationsartikel: In diesem wird in Form der Chronik über Ereignisse der unmittelbar zurückliegenden Zeit berichtet und diese als Ausgangspunkt eines Kommentars gesehen. Die Dokumentation steht hier gegen das Vergessen und für eine offene Art der Geschichtsschreibung. Aber natürlich werden wegen der Verbindung zum Ersten Wiener Männerkochvereins die Projekte dieses Vereins im Zentrum der Zeitung stehen. Nicht nur werden Produkte in Rezensionen besprochen, sondern der Schmettering nimmt aktiv an den Projekten teil: Die Projekte des Kochvereins geben das andere Wien vor und legen es fest, der Schmettering berichtet nicht nur über die Projekte, sondern aus den Projekten. Konkret: Der Schmettering befindet sich momentan im Wien des Würgers. Und so wird ganz zufällig über die Figuren und die Welt des Filmes berichtet. Der Schmettering prägt die fiktive Filmwelt mit und gibt Kontext, dass ausgeführt wird, was neben der Filmkamera passiert und so scheinbar nicht existiert. Man wird nicht einfach nur den Film sehen können, sondern man wird auch die verbundenen Videos sehen müssen und der Zeitungsberichterstattung folgen müssen, dass man einen vollständigen Blick über die Welt des Würgers bekommen kann. Der Schmettering fügt sich in den Aufwand ein, einen dichteren Kosmos der fiktiven Welt zu weben, als er in durchschnittlichen Filmen besteht.
Auch Illustrationen wird es im Schmettering geben, die in irgendeiner Art in Verbindung zu dem restlichen Inhalt stehen werden. Die Bilder stellen eine weitere Ebene der Berichterstattung dar und gleichzeitig die Ebene, auf der es am deutlichsten zum Bruch mit herkömmlichen Zeitungen kommt. Die Bilder stellen sich nicht einmal die Aufgabe der Imitation, sondern farblos und figurlos stoßen sie eher die Aufmerksamkeit ab. In den beiden Ausgaben des Schmetterlings erschienen Bilder von Zeitungen. In Nummer Zwei den Fall Kamp verarbeitend; in Nummer Drei eine entleerte ungarische Zeitung (Magyar Nemzet). Graue Buchstaben schmückten graue Buchstaben. Diesem Konzept wird der Schmettering treu bleiben.
4) Das Ziel des Schmetterings ist nicht die Imitation der Medien der Imitation wegen, sondern der Veränderung wegen. Erstmals findet das auf direktem Weg statt, also auf dem traditionellen Weg rebellischer Publikationen (das könnte man als die Bahn des Falters beschreiben). Es wird etwas berichtet und indem darüber berichtet wird, fordert man, dass es anders wird, nur dass dieses Andere nicht so verschieden sein wird. Entsprechend wird dieser direkte Weg eher gemieden werden, beziehungsweise in die fiktive Welt verschoben werden. Doch ob die Forderungen direkt oder indirekt (durch die Fiktion verzerrt) vorgetragen werden, allein erzähltheoretisch wird auf einer immanenten Ebene geblieben. Hier kann noch einmal auf den Text aus Schmetterling2 über die Form des Zeitungsromans verwiesen werden. In diesem Text werden die Versprechungen und Probleme der Imitation behandelt und so auch der Frage nach den Zielen nachgegangen.
5) Der Schmettering erscheint im Extrablatt-Verlag. Auf Aufforderung als Papiermagazin, sonst im Internet (https://schmettering.blogspot.com/) und Neuigkeiten werden auf Twitter (https://twitter.com/BSchmetter) verkündigt. (Auch jenseits des 22.: denn warum sollen nicht auch an anderen Tagen Artikel erscheinen.) Grundsätzlich ist der Erscheinungstag der 22., doch ob an jedem 22. eine neue Ausgabe erscheint, ist damit nicht gesagt. Der Schmettering erscheint unregelmäßig, aber immer pünktlich am 22. (Wer soll diesen Veröffentlichungsplan verstehen?)
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